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"Maybrit Illner" zur GroKo:SPD-Mitglied - für ihre Altersgruppe nicht gerade mainstreamig

Bleibt also noch Passmann, um den etablierten politischen Betrieb mit dem viel beschworenen frischen Wind zu konfrontieren. Passmann ist bekennendes SPD-Mitglied, was in ihrer Altersgruppe nicht gerade mainstreamig ist. Für das Zeit-Magazin macht sie eine Kolumne und einen Podcast, sie moderiert im Radio und tritt regelmäßig bei Jan Böhmermann auf. Auf Twitter folgen ihr mehr als 86 000 Menschen. Es wäre also keine schlechte Idee, ihr zuzuhören.

Fragen stellt ihr Maybrit Illner dann auch genug: Kann Kevin Kühnert SPD-Parteivorsitz? Kann Annegret Kramp-Karrenbauer Kanzlerin? Und was will denn nun eigentlich die junge Generation von der Politik?

Passmann ist sich nicht zu schade dafür, im Generationen-Wir zu sprechen. Pflichtschuldig erläutert sie, dass die alten Volksparteien kein klares Image bei den Jüngeren hätten, dass die Strukturen in der SPD sich ändern müssten, bevor mal wieder jemand erfolgreich Parteivorsitzender werden könne. Dass sie Annegret Kramp-Karrenbauer "stramm reaktionär" finde und Kevin Kühnert sehr wohl die SPD-Führung zutraue.

Hier spricht also eine junge Frau streitbar, aber doch argumentativ klar und meinungsstark über politische Inhalte - und was passiert? So gut wie nichts, muss man leider sagen. Schwesig und Hans zeigen sich zwar reuig. Schwesig gibt Schwachstellen bei der Klimapolitik zu ("Da ist eine große Schwäche auch der SPD"), Hans meldet Lernbedarf in Sachen Digitales an ("Wir haben gar nicht verstanden, was sich im Internet abspielt"). Ansonsten perlen Passmanns Debattierversuche aber wundersam an ihren Gesprächspartnern ab.

An einer Stelle übergeht der Verleger Weimer Passmanns kritische Einwürfe, wonach sie das Gleichsetzen von Grünen und AfD in Sachen Populismus schäbig finde, einfach stoisch, den Blick immer auf seinen Gegenüber Hans gerichtet. Nach dem Motto: Wenn man sie ignoriert, hört die vorlaute Göre vielleicht auf mit ihren Aufmüpfigkeiten. Das tut sie natürlich nicht und man kann sie für ihre Ausdauer in diesem rhetorischen Schattenboxen eigentlich nur bewundern.

Zweimal gelingt es ihr auch beinahe zu streiten. Einmal nennt der saarländische Ministerpräsident Kevin Kühnert "neokommunistisch". Ein andermal lässt sich Hans dazu verleiten, Passmann "Halbwahrheiten" vorzuwerfen, als sie Kramp-Karrenbauers viel diskutierte Überlegungen zu neuen Regeln im digitalen Bereich kritisiert. Jedes Mal schießt Passmann prompt zurück, aber jedes Mal scheint damit die Debattierlust beim Gegenüber schon aufgebraucht zu sein.

Und so zeigt sich an diesem Abend etwas Symptomatisches: Die Krise der Volksparteien hat zwar zu einem neu aufgeflammten Interesse an der Jugend im Land geführt. Sie sitzt jetzt mit am Tisch, man hört ihr sogar zu. So ernst, dass man wirklich inhaltlich mit ihr diskutieren würde, scheint man sie aber noch nicht zu nehmen.

Als Trotzreaktion verlegt sich Passmann irgendwann immer mehr auf die humoristischen Störfeuer. "Der Tag, an dem wir aufhören auf Peer Steinbrück zu hören", lautet wohl ihr bester Aphorismus des Abends, "wäre ein guter Tag für die SPD." Dabei twitterte Passmann noch Anfang Mai, dass sie, seit sie SPD-Mitglied sei, Burn-out in Sachen Satire habe. Zumindest dieser Befund hat sich an diesem Abend als Fehldiagnose herausgestellt.

© SZ.de/ebri
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