Maybrit Illner:Omikron macht's möglich

Lesezeit: 2 min

Maybrit Illner mit Markus Söder und Franziska Giffey zur Omikron-Welle

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei "Maybrit Illner"

(Foto: Jule Roehr/ZDF)

Team Vorsicht, Team Augenmaß, Team Deutschland: Bei Maybrit Illner ordnen sich die Gäste verschiedenen Lagern zu. Trotzdem sind sie sich überraschend oft einig.

Von Kathrin Müller-Lancé

Zu den sprachlichen Besonderheiten der Corona-Pandemie gehören ja nicht nur so schöne Vokabeln wie "Freitesten" und "Kernfamilie", sondern auch die Tradition, politisch ähnlich Gesinnte in Teams einzuteilen. Angefangen hat damit der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der sich zunächst selbst zum Mannschaftskapitän des Teams Vorsicht kürte, vor Kurzem jedoch ins Team Augenmaß wechselte. Oder zumindest eine Doppelmitgliedschaft in beiden Teams hält.

In der Talkrunde von Maybrit Illner kristallisieren sich an diesem Abend noch weitere Allianzen der Pandemiebewältigung heraus. Franziska Giffey (SPD), seit Kurzem Regierende Bürgermeisterin von Berlin, hält zunächst eine überraschende Bewerbungsrede für Söders Team Augenmaß: "Es ist einfach wichtig, dass tatsächlich maßvoll, mit Augenmaß, wie immer man das nennen mag, Kontakte nachverfolgt werden." Sodann grenzt sie sich ab vom Team Besserwisser, "das sind diejenigen, die es nachher immer besser wissen und sagen, das hättet ihr aber mal anders machen sollen".

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit zählt sich zu einem wieder anderen Team: "Ich glaube, es gibt nur ein Team, und das ist das Team Deutschland. Das ist uns vielleicht etwas abhandengekommen in der Pandemie."

Aber noch mal zurück zum Anfang und dem Teamwechsler Söder. Nach einem Einspieler, der das bayerische Tänzeln zwischen strengeren und lockereren Maßnahmen nachzeichnet, verteidigt der Ministerpräsident seine Strategie. Das seien keine Widersprüche, sondern ein "umsichtiges und kluges Pandemiemanagement". Man habe sich an den wissenschaftlichen Empfehlungen entlanggehangelt.

Augenmaß und Söder? "Ich habe mich schon gewundert"

Spiegel-Journalistin Anna Clauß sieht das anders: "Ich habe mich schon gewundert, als ich das Wort Augenmaß aus Herrn Söders Mund hörte." Sie mutmaßt, dass auch die 2023 anstehenden Landtagswahlen etwas mit Söders Kurswechsel zu tun haben könnten: "Wenn er so wie in letzter Zeit den Grünen gerne vorwerfen möchte, dass sie Verbotspartei seien, dann kann er den Bürgern in Bayern in der Corona-Pandemie ja nicht die Daumenschrauben weiter anziehen." Heftiges Söder'sches Kopfschütteln vor dem bayerischen Winterwald (der Ministerpräsident ist per Video zugeschaltet).

Ansonsten verläuft die Debatte überraschend harmonisch. Omikron macht's möglich. Die Gäste sind sich einig, dass die neue Variante zwar noch nicht abschließend eingeschätzt werden kann, aber doch deutlich weniger schlimm ist als Delta - zumindest, was die Schwere der Verläufe bei Geimpften und Genesenen und die Auslastung der Intensivbetten angeht. Virologe Schmidt-Chanasit spricht sogar schon von "der Endphase der Pandemie". Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner warnt davor, die Maßnahmen zu schnell zu lockern, kann sich aber auch bis Ende 2022 "eine endemische Phase" vorstellen.

Dass es die Politik verbockt hat, eine ausreichende Test-Infrastruktur aufzubauen, lässt sich kaum bestreiten. "Es muss eigentlich in einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland geschafft werden, nicht an der Ressource PCR-Test zu scheitern", bemängelt der Mediziner Wendtner. Trotzdem befürwortet die Runde im Großen und Ganzen Giffeys Vorstoß, sich bei der Testung und Kontaktnachverfolgung notgedrungen auf vulnerable Gruppen und Beschäftigte in kritischer Infrastruktur zu konzentrieren.

Das Ende der Sendung markiert die obligatorische Umfrage zur Impfpflicht. Eigentlich sind alle prinzipiell dafür, Journalistin Clauß hält die Umsetzung jedoch für unwahrscheinlich, Virologe Schmidt-Chanasit den Zeitpunkt für zu spät. Viel Zeit zur Ausführung bleibt nicht. Aber der nächste Corona-Talk kommt bestimmt.

Maybrit Illner: Kathrin Müller-Lancé würde gern von sich behaupten, nur in der Arte-Mediathek unterwegs zu sein. Aber dann schaut sie doch zu gern bei "RTL exklusiv" nach, was die Promis so machen.

Kathrin Müller-Lancé würde gern von sich behaupten, nur in der Arte-Mediathek unterwegs zu sein. Aber dann schaut sie doch zu gern bei "RTL exklusiv" nach, was die Promis so machen.

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