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Max von Thun:Ernste Absichten

Max von Thun will weg von seinem Image als Frauenheld und MTV-Rabauke - und versucht sich an düsterem Stoff. Dafür hungert er sogar.

So einer fällt auf, der kann sich schwer verstecken bei seiner Größe, und mit Spitzbärtchen und Schiebermütze sieht er aus ein Münchner Vorstadt-Stenz der angenehmen Sorte, ein wenig verwuschelt. Auftritt Max von Thun im Café Forum im Gärtnerplatzviertel, dem bevorzugten Quartier der Kreativen und Kunstsinnigen, wo man unbedingt mit dem Fahrrad zur Verabredung kommen muss, weil Autofahren (genauso wie Fernsehen) total out ist.

Fototermin zum Film 'In der Welt habt ihr Angst'

In "In der Welt habt ihr Angst" spielt Max von Thun einen Junkie. Mit der Rolle will der einstige MTV-Rabauke neues Format beweisen. 

(Foto: ddp)

Seine auffallend gute Laune muss echt sein: Die bayerische Kraftnatur Marcus H. Rosenmüller ( Wer früher stirbt, ist länger tot) hat ihn für seinen neuen Historienfilm gebucht, die Dreharbeiten beginnen in wenigen Tagen, "eine Traumrolle", wie der Schauspieler gleich begeistert erzählt. Der schöne Max in der Rolle des genialischen Theatermachers und Mozart-Librettisten Emanuel Schikaneder - passt das?

Ganz gewiss wird er im Künstlerkostüm eine gute Figur machen, aber das ist nicht der Grund, warum Rosenmüller bei der Besetzung auf ihn gekommen ist. Maximilian Romedio Johann-Ernst Graf von Thun und Hohenstein, so lautet sein vollständiger Adelsname, ist in den vergangenen Jahren gereift, nahezu erwachsen geworden. Der Sohn des österreichischen Schauspielers Friedrich von Thun ist mit 33 Jahren längst nicht mehr der MTV-Rabauke und Mädchenfilm-Schwarm früherer Jahre, auch nicht der Nebenrollen-Schönling vom Dienst, der Konfektionsware mit seiner TV-Präsenz belebt.

Amüsante Karriere-Spießer

An diesem Montagabend ist Max von Thun im ZDF-Fernsehfilm Trau niemals Deinem Chef zu sehen, er spielt neben Ulrich Noethen die zweite Hauptrolle: einen arroganten Aufsteiger, der neu in die Firma kommt und auf einmal Chef sein muss, obwohl er vorher eigentlich nur mit Spritzpistolen gehandelt hat. Keine allzu bedeutende Fernsehkomödie mit einem vorhersehbaren Plot, aber irgendwie gelingt es Thun und Noethen doch, diese Farce aus dem deutschen Karrierespießer-Milieu so amüsant wie möglich zu gestalten.

"Momentan läuft's einfach gut, das ist ein glücklicher Umstand - aber ich weiß: Schon im nächsten Jahr kann es zu Ende sein", sagt er und wendet sich wieder seinem Earl-Grey-Tee zu. Die Partys hat er abgeschrieben, dafür kocht er jetzt lieber zu Hause für Freunde, "Poulet au Max" heißt seine Lieblingsgericht: karamellisierte Hühnerbrust in orangener Chilisoße. Das schmecke besser als die Häppchen auf Promifeiern, zu denen ihn früher öfter "der leere Kühlschrank" getrieben habe.

Im nächsten März kommt ein weiterer Film mit ihm ins Kino: Ein Junkie-Drama mit dem Titel In der Welt habt ihr Angst. Hans W. Geißendörfer hat das Buch geschrieben, produziert und Regie geführt, Max von Thun und Anna Maria Mühe spielen ein Pärchen, das vom Stoff nicht loskommt. "Es war großartig, so auf hässlich geschminkt zu sein, mit gelben Zähnen und hohlen Wangen", sagt Thun über die Dreharbeiten. Die komplette Verwandlung, die Entstellung habe ihn gereizt.

Iris Berben zum 60.

"Älter werde ich später"

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