Es gibt im deutschen Fernsehen Unmengen von Kommissaren, aber nur wenige, deren Ermittlungen über den Abspann hinaus in Erinnerung bleiben. Seit 2011 ist Matthias Brandt nun schon Ermittler im "Polizeiruf 110" aus München, vergangene Woche hat er seinen Abschied verkündet; der adelige Kommissar Hanns von Meuffels beendet seine Tätigkeit für den Bayerischen Rundfunk.
Ein paar Tage nach dieser Nachricht, die beim BR für einiges Entsetzen gesorgt hat, trifft man Matthias Brandt im Münchner Volkstheater, er wird hier heute noch aus seinem Buch "Raumpatrouille" lesen, begleitet von Klaviermusik.
Hanns von Meuffels, der in der ersten Episode von Bremen nach München zog, war auch deshalb immer ein ganz besonderer Kommissar, weil die Figur nicht mit Attributen überfrachtet wurde, die dann von allen verschiedenen Drehbuchautoren und Regisseuren von Film zu Film weitergezerrt werden mussten.
Bei von Meuffels wurde vieles auch nur anerzählt, und dann wieder fallen gelassen. Matthias Brandt sagt: "Wenn man auf diese Art arbeitet, kriegen auch Regisseure, Autoren und Schauspieler Lust, so einen Film zu machen, die sonst keine Lust haben. Weil sie nicht auf Konstellationen und Krimirituale festgelegt und reduziert werden wollen, die sie blöd finden."
Große deutsche Regisseure wie Christian Petzold und Dominik Graf haben die Geschichten des Münchner Ermittlers inszeniert, bei den Kritikern kamen diese oft sehr besonderen Filme fast immer gut an.
Von vielen wird er heute vor allem als Fernsehermittler wahrgenommen
Teile des Publikums waren manchmal ratlos - weil der Kommissar ja gar nicht schießt, weil der Kommissar ja nur herumsteht. Bei Twitter war an solchen Sonntagen oft die Hölle los. Brandt sagt: "Die einzige Legitimation dafür, dass es diese Trilliarden von Fernsehkommissaren gibt, ist aber doch, dass diese Kommissare möglichst verschieden sind. Sonst ist es ja vollkommen sinnlos. Aber natürlich gibt es auch ein Publikum, das einen Krimi will, in dem alles so ist wie immer."
Zwei Filme will Brandt nun auf jeden Fall noch drehen, einen davon wieder unter der Regie von Christian Petzold, wieder mit Barbara Auer, zu der sich in den ersten beiden Petzold-Filmen eine wunderschön schwebende Beziehung entwickelt hat.
Dann hört er auf, sagt Brandt, auch weil er gemerkt habe, dass er inzwischen "sehr stark darüber definiert werde".
Wahr ist, dass Matthias Brandt, der nicht nur ein großer Schauspieler ist, sondern auch ein wunderbarer Erzähler, heute von vielen vor allem als Fernsehermittler wahrgenommen wird. Dass ihn die Zeitungen inzwischen als "Schauspieler und Fernsehkommissar" vorstellen. Das sei, sagt er "ja auch ziemlich präzise die Wahrnehmung".
Da habe "sich eine eigene Kaste von Schauspielern herausgebildet, die Fernsehkommissare spielen. Aber mit dieser Denkweise, dass der Kommissar der Ritterschlag für einen Schauspieler wäre - damit konnte ich noch nie was anfangen."

