Mascolo und Müller von Blumencron "Spiegel" beruft Chefredakteure ab

Aus für die Doppelspitze: Der "Spiegel"-Verlag trennt sich von den beiden Chefredakteuren des Nachrichtenmagazins, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung".

Die internen Differenzen waren wohl zu groß, ebenso wie der Druck von außen: Nun hat der Spiegel-Verlag die beiden Chefredakteure des Nachrichtenmagazins, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron, abberufen. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung", teilte der Verlag am Dienstag in Hamburg mit.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll die Redaktion des Spiegels von den beiden stellvertretenden Chefredakteuren Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry geführt werden, heißt es weiter. Rüdiger Ditz, Chefredakteur von Spiegel Online, verantwortet solange das Nachrichtenangebot im Internet.

Am Montag, nach der wöchentlichen Redaktionskonferenz, hatte Verlags-Geschäftsführer Ove Saffe verkündet, es gebe keinen Beschluss der Gesellschafter, die beiden Chefredakteure abzulösen.

Saffe soll SZ-Informationen zufolge erbost darüber gewesen sein, dass ein Artikel im Hamburger Abendblatt die Personalfrage vorweggenommen habe. Das Blatt hatte am Freitagabend gemeldet, dass das Chefredakteurs-Duo aufgrund interner Querelen vor dem Aus stünde. Eine Sprecherin des Verlages nannte dies lediglich "Gerüchte und Spekulationen". Aber seit der Veröffentlichung gewannen die Spekulationen eine eigene Dynamik, im Netz kursieren bereits Listen mit Nachfolgekandidaten, Mascolo und Müller-Blumencron galten intern bereits als schwer angeschlagen.

Aus Redaktionskreisen hieß es, das Zerwürfnis zwischen beiden Chefs habe eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Print und Online unmöglich gemacht. Mascolo werden seit Längerem der Auflagenrückgang weit unter eine Million Exemplare und sein Führungsstil vorgeworfen, Blumencron umgekehrt die Weigerung, sich einer digitalen Bezahlstrategie für die kostenlose Nachrichtenseite Spiegel Online und damit das gesamte Haus weitgehend zu öffnen.

Die beiden verantworteten das Magazin seit 2008 zunächst gemeinsam und hatten damals die Nachfolge des entlassenen Chefredakteurs Stefan Aust angetreten - als Kompromisskandidaten. Drei Jahre später wurden die Zuständigkeiten aufgeteilt: Mascolo verantwortete von da an nur noch die gedruckte Ausgabe des Spiegels, Müller von Blumencron kümmerte sich ausschließlich um die digitalen Produkte inklusive Spiegel Online. Schon damals gab es Gerüchte, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden nicht reibungslos war, das Verhältnis galt als zu sehr belastet.

Mascolo und Müller von Blumencron arbeiteten seit mehr als 20 Jahren für die Medien der Spiegel-Gruppe. Geschäftsführer Saffe würdigte sie in der Mitteilung als "exzellente Journalisten, die in den vergangenen Jahren und in verschiedenen Funktionen innerhalb des Hauses Kreativität und Führungsstärke bewiesen haben". Aber der Entscheidungsdruck ist am Ende offenbar doch zu groß geworden.

Die Macht im Spiegel-Verlag.

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