Martin Sonneborn im Gespräch "Was wir machen, dient unmittelbar der Weltverbesserung"

sueddeutsche.de: Ist das schon passiert?

Sonneborn: Ja, einmal. Es ging um die gehäuften Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Wir haben dazu ein extrem geschmackloses Bild gesucht und gefunden. Wie es aussah, kann ich aber nicht verraten. Vielleicht können wir diesen Scherz später noch mal beim Papst einsetzen.

sueddeutsche.de: Als was sehen Sie sich selber: Als Politclown, Guerilla-Journalist, Moral-Ikone - oder schlicht und einfach als Rampensau?

Sonneborn: Es ist mir eigentlich egal, wie ich bezeichnet werde, solange es extrem positiv klingt.

sueddeutsche.de: Sie haben die Frage nicht beantwortet: Als was sehen Sie sich selber?

Sonneborn: Ich greife da gern auf eine Charakterisierung des Stern zurück: als "Krawallsatiriker mit Profilneurose".

sueddeutsche.de: In erster Linie geht es Ihnen doch um Aufmerksamkeit?

Sonneborn: Vielen Dank für die charmante Beleidigung. Natürlich gibt es in der Satire ein paar richtungs- und ziellose Komponenten. Der Nonsens zielt eher auf einen Lacher oder auf eine Irritation ab. Alles andere aber, was wir machen, dient unmittelbar der Aufklärung und Weltverbesserung. Im besten Falle geht das Hand in Hand mit einem guten Witz.

sueddeutsche.de: Im Herbst 2009 gerieten sie schon einmal ins Visier der Kritik: Damals hatten sie chinesische Besucher der Frankfurter Messe mit Fragen zu Menschenrechtsverletzungen in China überrumpelt. Dabei verstanden Ihre Opfer kaum deutsch. Fanden Sie das fair?

Sonneborn: Ja, das waren handverlesene Chinesen, die nach Deutschland geschickt wurden. Wir wurden die ganze Zeit von Geheimdienstmitarbeitern fotografiert. Unser Film wurde später im chinesischen Fernsehen ausgestrahlt und von hoffentlich 1,4 Milliarden Chinesen gesehen. Natürlich war unsere Methode plump und drastisch, aber gerechtfertigt. Die Chinesen haben noch viel unfeiner nachgelegt, indem sie unseren Film als seriösen Nachrichtenbeitrag ausgewiesen haben.

sueddeutsche.de: Das klingt gefährlich.

Sonneborn: Es wurde sogar ein Todesurteil gegen mich gefordert. Was mir noch mehr Freude gemacht hat, waren die Dissonanzen mit dem Auswärtigen Amt. Die hatten zur Folge, dass Guido Westerwelle bei einem China-Aufenthalt zwei Wochen später nur ein sehr eingeschränktes Rederecht hatte. Das ist ein Zustand, den wir auch in Deutschland und Europa herstellen wollen.