Watergate:Marthas Rache

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Watergate: Hatte recht: Martha Mitchell, Gattin des U.S. Attorney General John Mitchell, 1970 bei einem Dinner des amerikanischen Kongresses in Washington

Hatte recht: Martha Mitchell, Gattin des U.S. Attorney General John Mitchell, 1970 bei einem Dinner des amerikanischen Kongresses in Washington

(Foto: AP)

Watergate-Enthüller Carl Bernstein plaudert in der "Washington Post" darüber, wie die mondänste Whistleblowerin der Hauptstadt ihren Mann ans Messer lieferte - den Justizminister.

Von Willi Winkler

Es ist keine schöne Szene, wie Martha Mitchell festgehalten, eingesperrt, mit Spritzen betäubt und ohne Kontakt zur Außenwelt gelassen wird. In der Serie Gaslit spielt Julia Roberts die lebenslustige, selbstbewusste und immer ein bisschen angeschickerte Frau des von Richard Nixon ernannten Justizministers John Mitchell, der hinter dem berüchtigten Einbruch ins Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate Hotel steckte. Martha Mitchell wusste zu viel darüber, ihr Mann ließ sie deshalb festsetzen und sorgte dafür, dass sie in den Zeitungen als Verrückte dargestellt wurde, konnte aber nicht verhindern, dass er schließlich doch vor Gericht kam und wegen Verschwörung verurteilt wurde. Das hatte er auch seiner Martha zu verdanken.

Der wütenden Ehefrau bleibt als Rache sonst oft nur der Anruf beim Finanzamt und der dezente Hinweis, dass das Büro, das der ungetreue Ehemann jedes Jahr abschreibt, in Wirklichkeit als Wohnung für den Betthasen dient. Martha Mitchell verband ihre Rache mit echter Aufklärung. In Washington war sie als Klatschbase bekannt, doch wussten die Drehbuchautoren von Gaslit noch nichts von einer Szene im Hintergrund, die jetzt Carl Bernstein, der mit Bob Woodward die Watergate-Affäre aufdeckte, der Washington Post verraten hat: Nachdem ihr Mann aus der gemeinsamen Wohnung in New York ausgezogen war, rief die misshandelte Ehefrau Bernstein an und lud ihn ein, sich die hinterlassenen Papiere ihres Mannes anzusehen.

"Macht euch ran, Jungs! Überführt ihn! Hoffentlich kriegt ihr das Schwein."

Ein solcher Whistleblower ist der Traum jedes Reporters. Die Recherchen stockten, die Männer um Nixon mauerten, der Präsident griff selber ein und feuerte Staatsanwälte, damit die Justiz ihre Machenschaften nicht weiter untersuchen konnte. Bernstein und Woodward flogen nach dem Anruf sofort von Washington nach New York. Martha Mitchell erwartete sie an der Tür ihrer Wohnung in der Fifth Avenue. Es muss die vollendete Filmszene gewesen sein: Sie sei sehr freundlich gewesen, erinnert sich Bernstein nach fast einem halben Jahrhundert, aber gleichzeitig war sie auch zur eiskalten Rache entschlossen. Mit einem Drink in der Hand wies sie auf das Arbeitszimmer ihres Mannes: "Macht euch ran, Jungs! Überführt ihn! Hoffentlich kriegt ihr das Schwein."

Vier Stunden lang flöhten die beiden alle Dokumente, die Mitchell bei seinem überstürzten Auszug liegen gelassen hatte, fanden Unterlagen zu seiner Verteidigungsstrategie und einen Brief, mit dem ein Unterstützer des Präsidenten 100 000 Dollar für illegale Unternehmen wie den Watergate-Einbruch versprach. Es gibt noch eine Gerechtigkeit, denn "ohne Martha Mitchell", seufzte Nixon nach seinem durch Watergate erzwungenen Rücktritt, "hätte es Watergate nicht gegeben".

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