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Markus Lanz übernimmt "Wetten, dass..?":Mit Mut in die Couchgespräche

Was wird Markus Lanz künftig bei "Wetten, dass..?" anders machen als sein Vorgänger? Wird er, der erfahrene Talker, näher auf die Gäste eingehen und zur Not die eine oder andere Wette streichen? Sicher ist noch nichts. Auf eines aber freut sich Lanz, der gerne Klavier spielt, jetzt schon: Er will zu den Künstlern, die in der Show auftreten, auf die Bühne.

Am Tag danach sitzt Markus Lanz in Köln und telefoniert. Am Sonntag wurde bekannt, dass er künftig Wetten, dass..? moderieren wird. Seine erste Sendung soll am 6. Oktober aus Düsseldorf kommen, Lanz, 42 Jahre alt, ist also der Nachfolger Thomas Gottschalks.

Im Gespräch mit der SZ zeigt Lanz eine Qualität, die seine nächtlichen Plaudereien bisher profilierten. Es ist die Qualität, einerseits die Konfliktfelder direkt anzusteuern, ohne sie andererseits wild zu beackern. So stellte er an diesem Montag den großen Entertainer Thomas Gottschalk auf einen Sockel, grenzte sich dann aber schnell ab und entwickelte eine erste eigene Agenda.

Was möchte er denn als Frontmann von Wetten, dass..? anders machen als der von ihm auch wegen seiner Umgänglichkeit geschätzte Vorgänger? Wird er, der seit 2008 die abendliche Gesellschaftstalkshow im ZDF von Dienstag bis Donnerstag leitet, ausführlichere Gespräche mit den Gästen führen? Und könnte das zur Folge haben, dass eine Wette wegfällt?

Respekt vor der Aufgabe

"Das ist genau die Frage, an der wir arbeiten. (. . .) Doch an die Wetten kann man nicht rangehen", sagt Lanz, der aus Südtirol stammt, gerne in der Welt reist, am liebsten zum ewigen Eis der Polare. "Die Idee, die Frank Elstner damals hatte, Menschen für 15 Minuten eine Bühne zu geben, ist unschlagbar." Lanz hofft, "dass wir Leute auf der Couch haben werden, die wirklich bereit sind, etwas zu erzählen, unabhängig davon, wie ihr neuer Film heißt." Er habe Respekt vor der Aufgabe, "doch man kann sich vieles erarbeiten". Es werde darauf ankommen, sagt er, "mutig zu sein in den Gesprächen".

In seinem mittlerweile mit Publikum gut gefüllten Boulevard-Salon zeigt sich Lanz auffällig vorbereitet. Man erkennt, dass er mit der Redaktion ein Konzept für jede Unterhaltung hat. Bei einer viel größeren Live-Show wird er stärker als bisher auf das reagieren müssen, was passiert. Aus der Spontanität heraus Humor zu entfalten, war die Stärke Gottschalks. Lanz sagt: "Ich lasse mich gerne auf neue Situationen ein". Er mag es, wenn Gespräche plötzlich in eine "ganz andere Richtung" liefen, als das vorher geplant worden sei.

Dass er musikalisch sein soll, hat Thomas Bellut, der neue Intendant des ZDF, verbreitet. Stimmt das? Er spiele leidenschaftlich Klavier, sagt Lanz, und mit Künstlern, die bei Wetten dass..? aufträten, unplugged etwas aufzuführen, das sei so eine Sache, die er unbedingt machen möchte.

"Man muss sehen", sagt Lanz noch, "wie viel Intimität eine große Halle aushält, wie es gelingen kann, 1000 Zuschauer, die in großer Entfernung sitzen, zu erreichen." Das klingt zunächst alles nach einer X-Large-Talkshow mit Wetten und Musikprogramm.

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SZ vom 13.03.2012/mapo/gba
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