Markus Lanz bei "Wetten, dass..?" Peinliche Momente

Noch ein offenbar sehr peinlicher Moment für den Moderator: die Lanz-Challenge. In Raab-Manier tritt er gegen zwei Gäste aus dem Publikum an, von denen einer scheinbar mühelos 38 Liegestütze mit Bierkasten auf dem Rücken stemmt, Lanz unter größtmöglicher Anstrengung nur 30. Erst ganz am Ende schüttelt er seinem Kontrahenten zerknirscht die Hand. Da geht schon die Moderation knapp in die Hose und dann auch noch der direkte Zweikampf. An dieser Stelle merkt man dem Moderator an, dass seine Kräfte nun wirklich schwinden.

Und dann fällt auch noch mehrfach der Ton aus. Dafür kann Lanz nichts, sondern das ZDF. Immerhin hat der Sender ihm zum Ausgleich mit Switch-Reloaded-Comedian Michael Kessler als Günther-Jauch-Parodie einen netten Außenwetten-Moderator zur Seite gestellt. Da kann man nicht meckern.

Und Lanz ist tapfer, rafft sich immer wieder auf, lässt wegen vorübergehender Heiserkeit kurz Wotan Wilke Möhring Sängerin JLo ansagen - und ist dann für die letzten beiden Wetten wieder besser in Form: Als ein Mann den Begriff Sexgott seiner Kollegin mit den Ohren zu wackeln soll, bringt er die Szenerie mit "wie bei Loriot" auf den Punkt.

Überhaupt, die Wetten: Ein Zehnjähriger sagt nicht weniger Loriot-artig das Berliner-S-Bahn-Netz mit nerviger Ansagerstimme auf, ein Fußballer schießt rückwärts Tore, auf einem Seil balancierend, ein Traktorfahrer bricht gottseidank die Wette ab, als es ihm zu gefährlich wird, auf zwei Rädern zu fahren ("Ich wäre sonst umgekippt"), der Hundefrisörin ist schon jetzt ein Ehrenplatz bei Stefan Raab sicher (von dessen Show sich das ZDF übrigens deutlich hat "inspirieren" lassen, nicht nur das Drehsofa betreffend), und am Ende sieht man noch ganz kurz, dass es gelungen ist, für die Außenwette genügend Menschen zu finden, die nackt das Fortuna-Logo abbilden. Leider sieht man dann auch, wie ein Nackter einem anderen Nackten von unten am Gemächt zupft, was dieser gar nicht lustig findet.

Achterbahn der Gefühle

Sei's drum: Es war in diesem Fall wesentlich spannender, dem Moderator bei seiner Achterbahn der Gefühle zuzuschauen als irgendeine der Wetten zu verfolgen. Man möchte urteilen: Wette gewonnen, wenn auch sehr knapp.

Ganz zum Schluss sieht man die Szene vom Anfang: einen freudestrahlenden Moderator, wie er die Showtreppe herabschreitet, lässig, zuversichtlich, fröhlich. Und man ist beinahe erschreckt, wie stark ihm auch äußerlich diese offenbar doch arg anstrengenden dreieinviertel Stunden (samt pflichtgemäßer Überziehung) am Ende zugesetzt haben. Jetzt hat er einen Monat Zeit, sich zu erholen. Er sollte sie nutzen, um sich seiner Stärken gegenüber Gottschalk gewahr zu werden. Denn die sind nicht zu übersehen. Gottschalk hat eine ganz intuitive Art, das Publikum zu unterhalten - aber inhaltlich war da seit Jahren nichts mehr zu holen. Bei Lanz ist es genau andersrum.

Was die Zuschauer zu seinem Debüt mit einer satten Quote goutierten: 13,62 Millionen Neugierige sahen zu, das ist der beste Wetten-dass-Wert seit 2005, abgesehen von Gottschalks Abschieds-Show im Dezember (14,8 Mio). Im Vergleich dazu schaffte ein wieder gelangweilter Gottschalk inklusive Michelle Hunziker und Dieter Bohlen beim konkurrierenden "Supertalent" auf RTL einen eher schwachen Vergleichswert - mit 4,57 Millionen Zuschauern.