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Mankell-Verfilmung in der ARD:Höhepunkt an Fernsehvolks-Verdummung

Satte Bilder, drastische Morde - aber kein Millimeter Tiefgang. Den ARD- Drehbuchschreibern ist es gelungen, aus dem spannenden Mankell-Buch "Der Chinese" ein langweiliges und absurdes Stück Fernsehen zu machen.

Wenn in einem kleinen schwedischen Weiler neunzehn Menschen auf einen Streich ermordet werden, dann ringen selbst hartgesottene Polizeibeamte abwechselnd mit den Tränen und mit dem Würgereiz.

ARD zeigt den Bestseller 'Der Chinese' als Spielfilm

Die sturznaive Richterin, die bei Suzanne von Borsody (Bild) durch damenhaftes Näseln die dümmsten Dialoge zu nobilitieren versucht, kann unmögliche Dinge: zum Beispiel ihren Kidnappern entgehen, indem sie mit dem Gipsarm das Autofenster zertrümmert.

(Foto: dapd)

Das unprofessionelle Verhalten hat aber weniger mit der Tat selbst zu tun als mit den Gesetzen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ja, scheint Regisseur Peter Keglevic sagen zu wollen, wir geben euch mit der Verfilmung von Henning Mankells Bestseller Der Chinese das Blutbad, aber nur unter dem pädagogischen Deckmäntelchen totaler Betroffenheit. Auch wenn dadurch die Glaubwürdigkeit zu den Opfern dieses mit drei Stunden allzu langatmig geratenen TV-Movies zählt.

Leider gehört Handlungslogik ohnehin nicht zu den Stärken des Drehbuchs von Fred Breinersdorfer, dem alten Fernsehhaudegen, der zusammen mit seiner Tochter Léonie-Claire den Roman zurechtgeschnitzt hat. Seine Fassung gibt dem Zuschauer allerhand unbeabsichtigte Rätsel auf, Ungereimtheiten und seltsame Wendungen ziehen sich als roter Faden durch den Plot, dem das Kunststück gelingt, aus einem spannenden Buch ein langweiliges Stück Fernsehen zu machen - und das, obwohl die Geschichte allenthalben zugespitzt und überdramatisiert wird.

Dass am Anfang nicht erklärt wird, wer der geheimnisvolle Fremde ist, der den grausigen Fund in dem Dörfchen Hesjövallen macht und bei seiner panischen Flucht ums Leben kommt, mag man noch akzeptieren. Aber warum ist die Richterin Brigitta Roslin eigentlich unstandesgemäß mit einem Eisenbahnschaffner verheiratet? Im Buch erfahren wir, dass er zunächst Anwalt war und nach einem Burn-out umgesattelt hat.

Michael Nyqvist, bekannt als kämpferischer Journalist aus den Stieg-Larsson-Verfilmungen, hat hier die so unglamouröse Rolle des Fahrkarten-Knipsers in der wenig kleidsamen Uniform. Die Richterin ermittelt auf eigene Faust, weil auch ihre Eltern unter den Opfern sind, was im Buch nicht der Fall ist. Und weil sie sieht, was die Behörden mal wieder nicht sehen: dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Mordwaffe, einem Parallel-Fall in den USA - im Film ist ein einziger Mausklick auf Google klüger als Interpol - und dem Umstand, dass alle Getöteten zur selben Familie gehörten.