Süddeutsche Zeitung

Malta:Erste Verurteilung im Mordfall Daphne Caruana Galizia

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Die maltesische Journalistin war 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Das Geständnis eines Verdächtigen kommt spät - zudem gibt es weitere Festnahmen.

Von Hannes Munzinger

Die Aufarbeitung des Attentats an der maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia ist am Dienstag einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Ein Gericht verurteilte einen der drei Männer, die wegen des Mordes an der Journalistin angeklagt wurden, zu 15 Jahren Gefängnis. Zuvor hatte er sich am Nachmittag schuldig bekannt. Vince Muscat, der nicht mit dem früheren Premierminister Joseph Muscat verwandt ist, hatte bereits im April 2018 sein Schweigen gebrochen und den Premierminister um eine Kronzeugenregelung ersucht. Dieser lehnte den Vorstoß damals aber ab.

Muscat und seine Anwälte haben mit seinem heutigen Bekenntnis nun offenbar einen Strafnachlass erreicht. Sie teilten dem Gericht in Valletta mit, dass er die Vorwürfe zur Beteiligung an dem Attentat zugebe. Muscat wurde anschließend zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt.

In einem anderen, parallel geführten Ermittlungsverfahren gewährten die Ermittler Muscat Straffreiheit gegen Informationen über den Mord an einem Anwalt, der 2015 erschossen worden war. Muscat gilt als Berufskrimineller mit großem Insiderwissen über die organisierte Kriminalität in Malta.

Seine mutmaßlichen Mittäter, zwei Brüder, schweigen weiterhin eisern. Die drei waren wenige Wochen nach dem Mordanschlag auf die Journalistin im Oktober 2017 festgenommen worden. Sie sollen Caruana Galizia gemeinsam ausgespäht und später eine TNT-Bombe unter dem Fahrersitz des Autos der Journalistin platziert und zur Explosion gebracht haben. Die Polizei hatte sie mit Hilfe ausländi-scher Ermittler anhand der Bewegungsprofile ihrer Handys überführt.

Die Festgenommenen sollen die Bombe beschafft haben

Die maltesische Polizei nahm am Dienstag zudem drei weitere Verdächtige fest. Den Behörden zufolge wird ihnen vorgeworfen, die Bombe für den Anschlag organisiert zu haben.

Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 auf einer Landstraße unweit ihres Hauses im Norden Maltas in die Luft gesprengt worden. Sie hatte zu Korruption in Politik und Wirtschaft in Malta recherchiert und sich mit scharfen Kommentaren zu einer der prominentesten Stimmen des Landes entwickelt.

Wegen des Mordanschlags auf Caruana Galizia laufen im Moment mehrere Verfahren. Muscat und die zwei Brüder gelten als mutmaßliche Auftragsmörder. Ebenfalls angeklagt ist der Unternehmer Yorgen Fenech, den die Ermittler als Drahtzieher hinter der Tat vermuten. Er wurde im November 2019 verhaftet und von einem weiteren Kronzeugen schwer belastet. Fenech pflegte enge persönliche Beziehungen zu dem damaligen Premierminister Muscat und dessen Stabschef Keith Schembri. In Folge seiner Anklage musste Joseph Muscat Anfang 2020 seinen Posten abgeben.

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