"Make Love" im MDR Völlig schmuddelfrei

Die Doku Make Love wurde produziert von MDR und SWR.

Groß war das Boulevard-Geschrei um die Sex-Doku "Make Love" von MDR und SWR. Die erste Folge aber geht gesellschaftlich wichtige Fragen rund um das Thema Sexualität an, ganz ohne Peinlichkeit oder Voyeurismus.

Von Matthias Kohlmaier

"Schärfste Doku das Jahres", geiferte Deutschlands größtes Boulevard-Medium. Mit einem Artikel unter der Überschrift "Für ARD-Doku - Schniedel-Casting auf Facebook" bot sich zudem noch ein herrlich klickträchtiger Weiterdreh an. Gegenstand der (künstlichen) Aufregung: Die fünfteilige Doku-Serie Make Love, produziert von MDR und SWR.

Sex ist also im großen Stil in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten angekommen. Wobei, vielleicht zeichnet sich da auch ein Trend ab. Liefen doch bereits im vergangenen Juli und August vier Folgen von Heiß & Fettig! Das Sexmagazin bei ZDF Neo. Aber nachdem das ja nur das Digitalspartenexperimentierplattformdings des ZDF ist, hat sich kaum jemand dafür interessiert. Jetzt MDR und SWR - da fällt der Brunftschrei der Medien gleich lauter aus.

45 Minuten ohne Peinlichkeit

"Was ist guter Sex?", fragte also am Sonntagabend Ann-Marlene Henning, Sexual- und Paartherapeutin und Autorin des titelgebenden Bestsellers "Make Love". Sie stellte diese Frage Passanten auf der Straße und einer Gruppe leicht verwirrter bis peinlich berührter Bauarbeiter. Später traf sie ein junges Paar, bei dem seit geraumer Zeit sexuell wenig bis gar nichts mehr läuft - das den Status quo aber gern hinter sich lassen würde.

Kurzum: Der erste Teil der Dokumentation hätte alle Zutaten für 45 Minuten Peinlichkeit mitgebracht. Zum Glück aber ist es anders gekommen und zum Glück ist das "Schärfste Doku des Jahres"-Geschwafel großer Blödsinn. Make Love spricht Probleme an, die allzu viele Menschen mit sich herumtragen und hat schon deshalb im gebührenfinanzierten Fernsehen seine Berechtigung. Dass sich für das Format mit Ann-Marlene Henning eine Moderatorin gefunden hat, die dem Ganzen zwar den Ernst nimmt, das Thema Sexualität dabei aber nicht ins Lächerliche zieht, ist ein Glücksfall für MDR und SWR.

In der MDR-Mediathek ist die Doku aus Jugendschutzgründen nur zwischen 22 und 6 Uhr zu sehen. In der Zwischenzeit gibt es unter make-love.de ein Webspecial mit allerlei Zahlen, Fakten und - zur angegebenen Uhrzeit - bewegten Bildern. Der SWR, der zuletzt mit dem "Tatort+" ein großes Second-Screen-Projekt umgesetzt hat, dürfte dank seiner umfangreichen Expertise federführend gewesen sein.

In den kommenden vier Wochen erklären also MDR und SWR ganz ohne Schmuddeligkeit, was schief läuft in vielen Schlafzimmern - und was Betroffene dagegen tun können. Wer sich nun sorgt, dass die Öffentlich-Rechtlichen der privaten Konkurrenz den Sex gänzlich wegnehmen, den sollte der Blick auf das aktuelle TV-Programm beruhigen. Am Samstag läuft bei Pro Sieben zur Primetime die Doku Unter fremden Decken - Die Suche nach dem besten Sex der Welt geht weiter.