"Maischberger" zu Jamaika-Aus Märchenstunde mit Kubicki

"Chaos in Berlin: Regierung verzweifelt gesucht!" war in der Nacht zu Mittwoch das Thema bei Sandra Maischberger in der ARD.

(Foto: WDR/Max Kohr)

Union und Grüne würden liebend gerne koalieren, aber die böse FDP intrigiert und die faule SPD streikt? Die Runde bei Maischberger lässt erahnen, dass es auch andere Wahrheiten gibt.

TV-Kritik von Ruth Schneeberger

Was genau passierte am Sonntagabend zwischen 18.30 Uhr und kurz vor Mitternacht? Erst hatte die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer noch den wartenden Journalisten verkündet, das Gesamtpaket für Jamaika sei auf einem guten Weg. Dann ließ Liberalen-Chef Christian Lindner die Bombe und damit die vierwöchigen Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen platzen. Woher der überraschende Sinneswandel in letzter Sekunde? Oder war die Absage an eine Koalition gar eine länger vorbereitete Inszenierung der FDP?

Um das zu diskutieren, wurde der Maischberger-Talk in der ARD extra einen Tag vorverlegt, auf den späten Dienstagabend. Außer Wolfgang Kubicki von der FDP allerdings fand sich so schnell niemand aus dem inneren Kreis der Unterhändler, um vom Sonntagabend zu berichten. Stattdessen setzten Ursula von der Leyen für die Union und Anton Hofreiter für die Grünen ihren Kuschelkurs fort, Malu Dreyer verteidigte das wiederholte Nein der SPD zu Koalitionsgesprächen und Tina Hassel von der ARD sowie Nikolaus Blome für die Bild-Zeitung zeigten noch einmal ihre Empörung über das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen.

So weit, so unverändert. Wer genau hinsah und hörte, der konnte allerdings ein paar Zwischentöne vernehmen, die erahnen lassen, dass es vielleicht mehr gab als die seit Sonntagnacht populäre Version von der Zerstörungswut der FDP aus Eigennutz.

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Wolfgang Kubicki ist zwar Rechtsanwalt und als solcher per se geübt darin, Wahrheiten mitunter zu seinem Nutzen zu variieren. Wie oft er an diesem Abend allerdings monierte, über den Ablauf der Jamaika-Verhandlungen immer wieder "Märchen" zu hören, das verwundert dann doch.

Wie es aus FDP-Sicht wirklich war

So sei es schon ein Märchen, dass die FDP einfach aufgestanden und gegangen sei, wie die anderen Parteien kolportierten. Stattdessen habe man die Partner darüber informiert, die Verhandlungen beenden zu wollen. Merkel habe noch gefragt, ob das unumstößlich sei. Seehofer habe die Uhrzeit genannt, um diesen historischen Moment in der Geschichte der Bundesrepublik festzuhalten. Dann habe die FDP gedacht, dass man gemeinsam nach draußen gehe, um die Entscheidung zu verkünden. Stattdessen habe Seehofer verkündet, die anderen blieben noch im Raum. Also habe die FDP vor der Tür gewartet. Nach ein paar Minuten sei es ihr zu blöde gewesen und sie habe ihre Entscheidung den Medien alleine verkündet. So Kubickis Version der Ereignisse.

Außerdem sei es mitnichten so gewesen, dass die verkündeten Einigungen fix gewesen seien. "Es wurden dauernd Falschmeldungen nach draußen gegeben", so Kubicki, über angebliche Einigungen, die gar keine gewesen seien. Denn die FDP habe nichts davon gewusst.