Maischberger-Sendung zu Ausländerfeindlichkeit Kern der Problematik bleibt unberührt

Glücklicherweise hat die Redaktion einen kompetenten Gast eingeladen: Die Journalistin Caroline Walter stellt klar, dass in Deutschland etwa die Hälfte aller Asylbewerber bleiben darf. Sie ist es auch, die als Einzige von der menschenunwürdigen Situation in vielen Flüchtlingsunterkünften berichtet. Der Einspieler, der vom Schicksal der einzigen ehemaligen Asylbewerberin in der Runde erzählen soll, blendet genau an der Stelle aus, als das Innere einer Unterkunft gezeigt wird.

Überhaupt darf man sich fragen, ob Khadra Sufi, Diplomatentochter und heute TV-Moderatorin, mit ihrer Leidensgeschichte das exemplarischste Beispiel einer Asylbewerberin ist, wenn sie in Allgemeinplätzen davon spricht, dass "der Krieg ganz hässlich" ist. Interviews mit Asylbewerbern in deutschen Heimen hätten den Blick erweitert. Doch diejenigen, die die Feindseligkeit zu spüren bekommen, kommen nicht zu Wort.

Stattdessen zeigen die Einspieler aufgebrachte, besorgte, angsterfüllte oder einfach rassistische Bürger, die ihren Vorurteilen vor der Kamera freien Lauf lassen dürfen. In seinen Sessel geschmiegt lächelt Michel Friedman da nur über so viel Unvernunft. "Abholen" müsse man diese Menschen. Sie nicht mit ihren Ängsten alleinlassen, meint auch Buschkowsky. Dient hier die angeblich "typisch menschliche" Angst vor dem Fremden wieder einmal als Entschuldigung für Rassismus? Doch an dieser Stelle reißt die Diskussion ab, statt ins Mark der Problematik vorzudringen.

Wieder zieht TV-Journalistin Caroline Walter den richtigen Schluss: "Man muss sich mit dieser Fremdenangst beschäftigen." Der Zuschauer ahnt, dass es für die Debatte wertvoller gewesen wäre, die ARD hätte noch einmal die Reportage aus dem Jahr 2012 ausgestrahlt, für die Walter vier Wochen lang in einem Asylbewerberheim gelebt hat. Und dass sie mit ihrem Denkanstoß recht hat. Sich mit der Fremdenangst ernsthaft auseinanderzusetzen, wäre die Chance dieser Gesprächsrunde gewesen. Doch diese Chance wurde verpasst.

Und wenn am Ende einer solchen Sendung die Gäste einstimmig beteuern, Deutschland sei kein ausländerfeindliches Land, ist das nicht nur scheinheilig, sondern beschämend.