Magazine Herumtollen auf der grünen Wiese

Das hat am Anfang fast niemand, der glaubt, eine gute Idee für eine neue Zeitschrift zu haben. Dass sich Journalisten gern für kreativ halten, nutzen aber auch etablierte Zeitschriftenverlage. Sie veranstalten Ideenwettbewerbe vor allem mit einem Ziel: Man will demonstrieren, dass der Verlag mehr kann, als Printmarken wie Brigitte oder Bild um Spezialausgaben zu verlängern oder den nächsten Klatsch-Titel auf den Markt zu werfen.

Die Resonanz ist groß. Gruner+Jahr (Stern, Geo) erhielt im Rahmen des Ideenwettbewerbs "Grüne Wiese" mehr als 300 Konzepte. Ergebnis: Ein Food-Titel namens Beef, der saftige 9,80 Euro kostet und Männern erklärt, wie man zu Hause Fisch und Fleisch räuchert, dazu ein Karrieremagazin namens Business Punk.

Im Axel Springer Verlag ist in diesem Jahr zum zweiten Mal der Ideenwettbewerb Scoop gelaufen. 1200 Konzepte für journalistische Projekte wurden eingereicht. Gewonnen hat zwar eine Web-Plattform namens Talk to the Enemy, die im Herbst starten soll und das ambitionierte Ziel hat, die Debattenkultur zu fördern.

Die Mehrzahl der Ideen, sagt Marc Thomas Spahl, Direktor der Axel Springer Akademie und Scoop-Verantwortlicher, drehe sich aber nach wie vor um Print-Konzepte. "Zeitschriften üben noch immer eine große Faszination aus", sagt Spahl. Sogar im Burda-Verlag (Focus, Bunte) hat man das Stammgeschäft in diesem Jahr wieder als Spielwiese entdeckt - nach einer Zeit, in der Verlagseigner Hubert Burda Geld gern in digitale Welten pumpte. Vor allem die Rückkehr von Philipp Welte in den Vorstand beförderte hier offenbar einen Sinneswandel.

Neu entflammte Liebe für Papier

Welte hatte einst gemeinsam mit Chefredakteurin Patricia Riekel das Leute-Magazin Bunte zu Bestmarken getrieben, wechselte dann aber zu Springer. Heute sagt Welte: "Das Unternehmen hat seine Strategie weiterentwickelt und differenziert." Neben dem profitablen digitalen Geschäft konzentriere man sich wieder verstärkt auf die publizistische Tradition des Hauses.

Ein zweistelliger Millionenbetrag floss in diesem Jahr in die Entwicklung von Zeitschriftenkonzepten; heraus kam unter anderem das eher billig anmutende Klatschheft Chatter. Spricht Welte heute über Magazine, sagt er Sätze, die man lange von einem Zeitschriften-Manager nicht mehr gehört hat. Ein "faszinierendes und äußerst stabiles Geschäft" sei das. Er schwärmt von der "großen Lebendigkeit in den Zeitschriftenregalen".

Das Wiederaufflammen der Liebe zu Print bedeutet auch ein gutes Geschäft für Marktforscher. Bringt ein Verlag wie G+J beispielsweise ein Magazin wie Nido für die urbane Elternschaft auf den Markt, wird jeder Blickwinkel, aus dem man Leser ansprechen könnte, ausgeleuchtet. Daneben sind die Start-ups, die auf eine gute Idee statt auf Sinus-Milieus setzen, fast ein belebendes Element.

Das Magazin 11 Freunde, jüngst von G+J übernommen, machte einst aus der Fankurve heraus das gediegene Fußball-Fachsimpeln zum Verkaufsschlager. Das Hamburger Missy-Magazine bereitet schon im zweiten Jahr popkulturelle Themen für Frauen auf. Mit dem Kunstmagazin Dare oder dem Hochglanz-Titel Quality des Qvest-Gründers Constantin Rothenburg bemühen sich zwei Zeitschriften um Leser, die den etwas elitären Blick auf die Gesellschaft schätzen.

US-Serie: Weeds

Dealermami im Edelviertel