Magazine Auf der Jagd nach der zündenden Idee

Große Verlage, ambitionierte Einzelkämpfer, Quereinsteiger - viele sind auf der Suche nach zukunftsfähigen Zeitschriften-Ideen. Dass die Jobs bei großen Magazin- und Zeitungstiteln der Republik auch aufgrund des Strukturwandels in den Medien mittlerweile dünn gesät sind, dürfte den Ideenreichtum fördern.

Auch Thomas Friemel wurde erst in einer Karriere-Sackgasse zum Aufbruch motiviert. Bis zum stellvertretenden Chefredakteur der Hamburger Morgenpost war es für ihn nach oben gegangen. Nach Chefredakteursposten bei den Titeln Matador und Player, die beide schließlich eingestellt wurden, fand er sich jedoch irgendwann in der Kundenmagazin-Abteilung einer Fachverlagsgruppe wieder.

Stellenanzeigen aus dem Internet sollte er da für ein junges Karrieremagazin so aufbereiten, dass man nicht gleich einschläft. Richtiggehend angekotzt habe ihn das, sagt Friemel heute. Er ging zu einem Coach, der ihm zur Kündigung riet.

Selbst ein Magazin zu gründen sei damals nicht auf seinem Horizont gewesen, behauptet Friemel. Jetzt sitzt er in einer umgebauten Schiffsschrauben-Fabrik in Hamburg-Altona und konferiert per Internet mit dem Graphikteam in Berlin, um die dritte Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Enorm auf die Bahn zu bringen. "Wirtschaft für den Menschen" haben Friemel, 42, und Kompagnon Alexander Dorn, 43, als Unterzeile gewählt.

Es geht um sozial verankertes Unternehmertum, um das schwer greifbare Feld der Nachhaltigkeit. Das hört sich gut an - und sieht mit seinem aufgeräumten Layout auch ganz gut aus. Die Geschichten drehen sich um Biolandwirte in Österreich oder Handy-Apps, die "direkt im Laden das ökosoziale Sünden- oder Leistungsregister von Produzenten scannen".

Internet-Millionäre wollen auch mal was zum Anfassen

Dennoch hätten Friemel und Dorn ihren Neustart nicht auf die Beine stellen können ohne David Diallo, ein mit dem Internetportal MyPhotobook.de reich gewordener Investor. Diallo finanzierte die ersten Ausgaben vor, die jeweils an die 150.000 Euro gekostet haben. Gerade mal ein einziger festangestellter Redakteur ist aktuell drin im Budget.

In der Produktionsphase füllt sich das Büro, und die fünf Schreibtische sind mit freien Mitarbeitern besetzt. Eine Million Euro, sagt Enorm-Geschäftsführer Dorn, seien insgesamt einkalkuliert, um inklusive der englischen Ausgabe in die schwarzen Zahlen zu kommen. Gerade laufe die zweite Finanzierungsrunde.

Mit anderen Worten: Es müssen Geldgeber her. Allein durch den Verkaufspreis von 7,50 Euro und einen Anzeigenmarkt, in dem theoretisch auch Energieriesen und Lebensmitteldiscounter ihre Botschaften unterbringen dürfen, trägt sich Enorm noch nicht. Um die 10.000 Exemplare, berichten die Magazin-Gründer, hätten die ersten beiden Ausgaben verkauft, plus 2000 verkaufte Abos.

Der Rest der 80.000 Stück hohen Druckauflage wird über Bordexemplare und durch sogenannte controlled circulation in Umlauf gebracht, also über Netzwerke, Kongresse, eigene Verteiler. "Wenn man seine Zielgruppen klar eingrenzen kann, ist dieser Weg effektiver als teure Werbekampagnen, für die wir aber auch kein Geld haben", sagt Friemel.

Ermittler-Urgestein: Josef Matula

Ein Fall für Einen