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Magazin "Madame":Umstrittene Aufnahmen

Madame

In dieser Ausgabe der Zeitschrift Madame erschienen die Bilder von Leopold.

(Foto: oh)

Das Model Nadine Leopold verklagt "Madame" wegen Fotos mit nackter Haut. Bauer Media bestätigt den Rechtsstreit und spricht von einem "Missverständnis".

Von Claudia Tieschky

Das österreichische Model Nadine Leopold erhebt schwere Vorwürfe gegen die deutsche Zeitschrift Madame . Auf Instagram, wo der 26-Jährigen etwa 800 000 Abonnenten folgen, teilte sie in einem auf Englisch verfassten Post mit, dass sie die Zeitschrift verklage, weil sie dort gegen ihren erklärten Willen mit nackter Brust zu sehen gewesen sei. Das sei eine der schmerzlichsten Erfahrungen in zehn Jahren Karriere für sie gewesen, schreibt Leopold, die auf Covern internationaler Magazine zu sehen war; noch nie habe sie sich als Frau so misshandelt und vergewaltigt gefühlt ("mistreated an violated as a woman"). Sie veröffentliche diese Geschichte, um die Verhältnisse in der Branche zum Besseren zu wenden und jungen Mädchen schlechte Erfahrungen zu ersparen, schrieb Leopold.

Die Bauer Media Group, zu der Madame gehört, bestätigte am Sonntag auf Anfrage, dass man sich in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Nadine Leopold befinde. Die Bilder seien in der Juli-Ausgabe 2019 erschienen. Zu den Vorwürfen äußerte sich Madame-Chefredakteurin Petra Winter in einem Statement. Darin heißt es: "Es war und ist niemals unsere Absicht, jemanden bloßzustellen oder gar auszubeuten". Während des Shootings mit Nadine Leopold habe man "zu keiner Zeit Zweifel daran" gehabt, dass sie mit dem Shooting einverstanden gewesen sei. "Leider scheint sie das anders zu bewerten und dieses Missverständnis tut uns leid." Gleichzeitig bittet Winter "um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Verfahren nicht weiter äußern". Sobald es abgeschlossen ist, sei man aber "sehr gerne bereit, ausführlicher über die Hintergründe zu sprechen". Die Integrität von Madame sei "eine Herzensangelegenheit". Fotoshootings würden stets "eng und ausführlich" mit allen Protagonisten abgesprochen, da erstklassige Bilder nur entstehen könnten, wenn sich alle vor der Kamera wohlfühlten.

Nach der Schilderung, die Nadine Leopold von dem Foto-Shooting auf Ibiza gibt, war sie allerdings schnell alarmiert über die Vorstellungen des Fotografen. Es sei windig gewesen an dem Tag, und sie habe Mühe gehabt, die Bewegung der leichten Kleidung zu kontrollieren, schreibt sie. Deshalb habe sie klar und deutlich gemacht, dass sie auf den Bildern keine nackte Haut zeigen wolle. Das sei ihr von der Redakteurin, die bei den Aufnahmen vor Ort war, zugesichert worden: Madame sei ein konservatives Frauenmagazin und würde bestimmt keine nackten Brüste zeigen. Der Fotograf, der seine Aufnahmen auf Filmmaterial gemacht habe, zeigte ihr demnach Polaroids von den Szenen, die sie beruhigten. Dass die Bilder, die dann im Heft zu sehen waren, überhaupt entstanden waren, habe sie nicht gewusst. Solche Dinge würden weiter passieren, wenn man nicht zeige, dass sie nicht in Ordnung seien. Auf Instagram erhielt Leopold viel Zuspruch für ihre Veröffentlichung; ein Bild auf dem Instagram-Account von Madame, auf dem das Model Christina Rasputin in einer halbdurchsichtigen Bluse zu sehen ist, wurde dagegen mit wütenden Kommentaren versehen.

© SZ vom 27.04.2020
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