"Konkret"-Magazin:Öffentliche Distanzierung von linkem Magazin "Konkret"

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"Konkret"-Magazin: Kritisiert von den eigenen Autoren: "Konkret".

Kritisiert von den eigenen Autoren: "Konkret".

(Foto: Quelle: konkret-magazin.de, Bearbeitung: SZ)

Siebzehn Autorinnen und Autoren beenden mit einer Erklärung die Zusammenarbeit. Sie sehen das Magazin auf Pro-Putin-Kurs.

Von Johannes Korsche

In einer Erklärung haben 17 Autorinnen und Autoren angekündigt, künftig nicht mehr mit dem Magazin Konkret zusammenarbeiten zu wollen. Grund sei, so schreiben sie, der Pro-Putin-Kurs der Ausgaben während des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der ehemalige Chefredakteur der Titanic, Leo Fischer, der Autor Harald Nicolas Stazol, der Sportjournalist Alex Feuerherdt und die frühere Konkret-Kulturredakteurin Marit Hofmann.

Das Magazin wurde 1957 gegründet und erscheint seit 1974 monatlich. "Von den fünfziger Jahren bis heute steht Konkret für die Absage an Krieg, Militär, Rüstung, an Aberglauben (auch den christlichen) und Ideologie, an Ausbeutung, Kapitalismus, Nazismus, Faschismus, Rassismus, Antisemitismus", heißt es auf der Konkret-Webseite. Das Autorenverzeichnis sei ein "Who is Who" der politischen und literarischen Intelligenz der Zeitgeschichte. Tatsächlich hatte Konkret zu den besten Zeiten namhafte Autoren vorzuweisen, es vertrat eine linke, undogmatische Positionen und verstand auch als Kulturmagazin.

Mit dem redaktionellen Kurs zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei allerdings bei den 17 Autorinnen und Autoren eine rote Linie überschritten, schreiben sie. "Wir wollen und können nicht weiter in einer Zeitschrift publizieren, die sich in dieser Frage in die Nachbarschaft der AfD, des völkischen Flügels der Linkspartei oder Jürgen Elsässers Compact, von Henry Kissinger, Klaus von Dohnanyi oder den Lobbyverbänden der deutschen Industrie begibt."

Der März-Titel werde zu "einem Stück Kriegspropaganda"

Besonders der März-Titel, der einen Tag nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine erschienen ist, hätte einen Einschnitt markieren müssen, finden sie. Konkret titelte "Go East! Die Nato-Aggression gegen Russland". "Diese Stilisierung Russlands zum unschuldigen Opfer, samt Ausblendung des Aufmarsches von hunderttausend Soldaten an der Grenze zur Ukraine, wäre selbst dann fürchterlich gewesen, wenn der Einmarsch nicht erfolgt (oder, realistischer, lokal begrenzt geblieben) wäre." Durch das russische Vorgehen werde der Titel, "ob nolens oder volens, zu noch Schlimmerem: einem Stück Kriegspropaganda."

Zwar distanzierten sich die Texte seitdem meistens "pflichtschuldig" von dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, heißt es weiter. Aber die Grundtendenz der Berichterstattung sei überdeutlich, finden die Autoren. Wer "gegen den Westen" zum einzigen Entscheidungskriterium mache, könne sich wohl jede Unverschämtheit herausnehmen und jede Barbarei zum Widerstandsakt verklären, schließen die Autoren. "Aus einem Organ der Kritik wird dann eine monatliche Junge Welt". "Für die schreiben wir aus guten Gründen nicht. Für die Kopie dann halt auch nicht."

Die Konkret-Redaktion äußerte sich auf Anfrage am Donnerstag zunächst nicht zu der Erklärung.

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