Arte-Serie "Mafia Queens":Plötzlich Patin

Lesezeit: 2 min

Arte-Serie "Mafia Queens": Die Männer sind erschossen worden. Nun müssen die Frauen die mafiösen Geschäfte weiterführen.

Die Männer sind erschossen worden. Nun müssen die Frauen die mafiösen Geschäfte weiterführen.

(Foto: Banijay Rights Limited)

Mit den kriminellen Machenschaften hatten die Frauen nie etwas zu tun. In der israelischen Serie "Mafia Queens" stehen sie aber plötzlich ohne ihre Männer da - und handeln.

Von Stefan Fischer

"Opa ist in den Nachrichten!" Der überraschte Ausruf bringt den plappernden, sich mal wieder übereinander ereifernden weiblichen Teil der Familie tatsächlich zum Schweigen. Es sind keine guten Nachrichten: Opa ist tot. Sein Sohn Eyal auch. Überhaupt sind eine Menge Männer aus der Familie der Malkas nicht mehr am Leben. Nebst ihren außerehelichen Gespielinnen.

Sie alle sind erschossen worden auf einer Yacht, die vor Tel Aviv vor Anker liegt. Die Malkas, eine israelische Mafiafamilie, haben einen Junggesellenabschied gefeiert. Nun gibt es sie nicht mehr.

Das jedenfalls glauben all jene, die dubiose bis illegale Geschäfte mit den Malkas gemacht haben. Sie irren. Schließlich sind die Frauen noch da: die Witwen, die Schwestern, die Töchter. Außerdem Albert, das schwarze Schaf der Familie und deshalb nicht eingeladen zur Feier. Sowie der neunjährige Ido, der von den Killern übersehen worden ist.

Ihn jagen die Mörder nun, weil er als Zeuge viel zu gefährlich ist. Das ist das eine Problem der verbliebenen Malkas: Sie müssen den Jungen, Eyals Sohn, schützen. Außerdem tauchen jede Menge Leute auf, die Geld von ihnen verlangen, das ihnen angeblich zusteht. Geld, das sie nicht haben. Denn die Geschäfte der Malkas übernehmen andere.

Die Tragik der Geschichte wird unterfüttert von einer subtilen Komik.

Doch nicht mit den Malkas! Das schwören sich die Frauen. Die Sache ist nur: Ums Geschäft haben sie sich nie gekümmert, allenfalls Eyals Tomboy-Schwester Lizzie macht sich die Hände schmutzig. Aber wem sie Geld schulden und wer ihnen, wer ihre Freunde sind und wer ihre Feinde - keine Ahnung. Sie lernen es schmerzhaft in der elfteiligen israelischen Serie Mafia Queens, inszeniert von Amir Mann und geschrieben von Limor Nachmias, Dror Nobleman, Danie Rosenberg sowie Ruti und Gal Zaid.

Die Serie ist natürlich spannend und teilweise auch tragisch. Gerade wegen dieser Tragik aber auf mal lautere, mal eher subtile Weise auch sehr komisch. Das liegt an den vielen liebevoll gestalteten Figuren: Da ist Dori Malka, gespielt von der Sängerin Rita. Die Diva der Familie schlüpft ganz natürlich in die Rolle der Patin, sie ist durchdrungen von ihrer Rachsucht. Wenn es aber zur Sache geht, wird sie stets von Skrupeln übermannt. Herrlich unterlaufen wird Doris raumgreifendes Alpha-Weibchen-Gehabe durch ihre verhuschte Schwester Tzipi, gespielt von Orly Silbersatz Banai. Sie ist schusselig, durchsetzungsschwach - bringt die Dinge dann aber doch immer niederschmetternd auf den Punkt. Dazu der schrullige Albert, die kämpferische Lizzie, die kühle Sapir ...

So sehr es um die Familie geht: Jede der Frauen hat auch eine eigene Agenda. Das führt zu Konflikten unter den Malkas. Und je weiter sich Folge für Folge herausschält, was hinter den Morden steckt, desto monströser und irrwitziger wird die ganze Geschichte.

Mafia Queens, Arte-Mediathek.

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