bedeckt München 31°

Streit um Nacktaufnahmen:Eigentlich wollen alle nur das Beste

Model Nadine Leopold verklagte "Madame"

Model Nadine Leopold verklagte "Madame" wegen eines Fotos, das sie gegen ihren Willen mit nackter Brust zeigte, wie sie sagte.

(Foto: Alberto Terenghi/Cannes/IPA; via www.imago-images.de/imago images/Independent Photo)

Im Rechtsstreit über die Veröffentlichung von Fotos mit sichtbarer Brust haben sich das Model Nadine Leopold und die Zeitschrift "Madame" außergerichtlich geeinigt.

Von Anika Blatz

Als Chance, ein Zeichen zu setzen - so bezeichnen Model Nadine Leopold und die Zeitschrift Madame in einem gemeinsamen Statement auf Instagram die Beilegung ihres Rechtsstreits. In persönlichen Gesprächen habe man jenseits des laufenden Gerichtsverfahrens schnell gemerkt, dass man im Grunde für die gleiche Sache streitet: weibliche Selbstbestimmung. Daher möchten beide Parteien auf ihren Medienkanälen zukünftig zusammen auf die Organisation "Humans of Fashion" aufmerksam machen, die sich gegen Missbrauch und sexuelle Belästigung in der Modebranche einsetzt.

Ende April hatte das international tätige Topmodel angekündigt, die zur Bauer Media Group gehörende Frauenzeitschrift wegen Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte zu verklagen. Gegen ihren mehrfach erklärten Willen beim Shooting im Februar seien in der Juli-Ausgabe 2019 Fotos von ihr mit nackter Brust abgedruckt worden - noch nie habe sie sich als Frau so misshandelt und vergewaltigt gefühlt, schrieb Leopold dazu auf ihrem Instagram-Account.

Tatsächlich wurde die Klage der gebürtigen Österreicherin schon im Dezember 2019 eingereicht, Madame erhob ihrerseits Gegenklage im April, nachdem Leopold das Posting veröffentlichte. Man habe zu keiner Zeit Zweifel daran gehabt, dass Leopold mit dem Shooting einverstanden gewesen sei, äußerte sich Madame-Chefredakteurin Petra Winter damals in einem Statement. Es habe nie die Absicht bestanden, jemanden bloßzustellen oder gar auszubeuten.

Nach einem ersten Verhandlungstag Anfang Mai sollte das Verfahren im Herbst fortgeführt werden - nun die überraschende außergerichtliche Streitbeilegung: "Der erste Impuls war, die Integrität von Madame zu verteidigen", erklärt Winter dazu. Doch auch aus vermeintlich unvereinbaren Positionen entstehe manchmal etwas Positives. Man habe sich zu dem Schritt entschieden, um das Thema Selbstbestimmung der Frau transparent zu machen und gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

In Zukunft sollen Shootings besser mit den Models abgestimmt werden

Außer den gesetzlichen Verfahrenskosten, die man der 26-Jährigen erstattet habe, sei für die Einigung kein Geld geflossen, heißt es bei Madame. Winter sagt: "In erster Linie geht es sowohl Madame als auch Nadine Leopold um die Sache." Die Zeitschrift trete seit der ersten Ausgabe 1952 für ein selbstbestimmtes Frauenbild ein, und Leopolds Anliegen sei es, jungen Frauen in der Fashion-Branche eine Stimme zu geben. So sei man auf die Organisation "Humans of Fashion" gekommen, sagt Winter. "Die Stiftung bietet hier eine Unterstützung, die in der Branche einzigartig ist." Leopold selbst äußerte sich trotz mehrerer Anfragen nicht zur Sache.

"Humans for Fashion" wurde Anfang 2018 von dem russischen Model Kristina Romanova und der italienisch-amerikanischen Rechtsanwältin Antoniette Costa mit dem Ziel gegründet, Belästigung und Missbrauch in der Modebranche zu bekämpfen und zu verhindern. Dafür haben sie ein professionelles Netzwerk von ehrenamtlichen Anwälten, Therapeuten und Mentoren geschaffen, auf das Branchenvertreter zurückgreifen können.

Um ähnliche Streitigkeiten zu vermeiden, will Madame zur Absicherung aller am Shooting Beteiligten zukünftig noch konsequentere Maßstäbe anlegen: "Wir werden künftig nicht nur die Veröffentlichung von geshooteten 'Nude'- und 'Semi-nude'-, sondern auch von 'Topless'- oder anderen sensiblen Fotos eng mit den Models und ihren Agenturen abstimmen", versichert Winter.

© sz/tyc/khil
Natascha Ochsenknecht auf der Leipziger Buchmesse Messe Leipzig Deutschland vom 15 bis 18 03 2

SZ Plus
Natascha Ochsenknecht
:"Und ich habe ihn nicht davor geschützt"

Vor 25 Jahren wurde Natascha Ochsenknechts ältester Sohn von einem Bekannten missbraucht. Nun startete sie eine Petition für härtere Strafen bei Kindesmissbrauch, und erzählt, wie sie damals damit umging.

Interview von Thorsten Schmitz

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite