Luzern-Tatort "Hanglage mit Aussicht" Aus besten Drombusch-Jahren

Der brave Schweizer Kommissar, Dialoge wie aus dem Museum und Formulierungen von anno dazumal: Den dritten Luzerner "Tatort" kann man sich gut in Schwarz-Weiß vorstellen. Für Abwechslung sorgt lediglich Flückigers Assistentin. Jedes Mal, wenn sie sich vorstellt.

Von Holger Gertz

Dies ist der dritte Tatort aus Luzern, der Bergbauer Arnold soll um seinen wunderbar gelegenen Grund samt Gastwirtschaft gebracht werden. Reiche Investoren aus dem Ausland greifen nach den schönsten Stücken der Schweiz, das ist das Metathema: Immobilienschacherei, Bodenspekulation, Zersiedelung der Landschaft.

"Weißt du was? Es können auch mal andere recht haben, nicht nur du", sagt Flückigers Kollegin Liz Ritschard. Ein Name, der den Zuschauer jedes Mal aus dem Halbschlaf reißt.

(Foto: obs)

Ein etwas sperriger, aber relevanter Stoff, Dieter Wedel in seiner großen Zeit hätte daraus spannendstes Fernsehen gemacht, mit Oberganoven wie Günter Strack oder Hans Brenner und Unterganoven wie Uwe Dallmeier. Man braucht das entsprechende Personal, um eine Geschichte wie diese in den Griff zu kriegen. Man braucht eine gute Idee, man braucht Kotztüten genauso sehr wie Sanftmütige. Man braucht dramaturgischen Mut.

Die Schweizer haben: Reto Flückiger, gespielt von Stefan Gubser. Dieser Kommissar ist ein netter Mensch, der sich gut benimmt und gut anzieht. Er trägt zum Beispiel immer sehr schöne schwarze Jacken. "Kann nix passieren, wir sind hier in der Schweiz", sagt einmal der Kommissar, damit ist Tonart und Tempo dieses Krimis vorgegeben. Ständig wird in Lena-Odenthal-Manier der Ermittlungsstand zusammengefasst. "Der Drohbriefschreiber ist flüchtig, das Handy vom Gross ist noch nicht ausgewertet, die Witwe erbt ein Riesenvermögen. Und was soll der Arnold überhaupt für ein Motiv haben?", fragt Flückiger, und käme nicht das Handy in dieser Sequenz vor, könnte Erik Ode den Satz exakt so in den frühen Siebzigern gesagt haben. "Weißt du was? Es können auch mal andere recht haben, nicht nur du", sagt Flückigers Kollegin. Das ist eine gute alte Formulierung von Witta Pohl aus harten Drombusch-Jahren.

Dialoge wie aus dem Fernsehmuseum, man kann sich alles in Schwarz-Weiß vorstellen. Zu den überraschenderen Momenten gehört immer der Augenblick, in dem Flückigers Kollegin sich irgendwo vorstellt und ihren Namen nennt. Liz Ritschard heißt die Frau, aber im Halbschlaf, in dem man sich als Zuschauer dieses Tatorts sehr schnell befindet, hört es sich an, als sage sie "Keith Richards". Da schreckt man dann kurz hoch. Aber gleich danach versinkt man wieder.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

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