Süddeutsche Zeitung

Ludwigshafen-Tatort: "Blackout":Bedroht von großäugigen Checkerinnen

Seit 25 Jahren ist Lena Odenthal "Tatort"-Kommissarin. Zum Jubiläum wird ihr eine Fallanalytikerin zur Seite gestellt, die alles hat, was Odenthal fehlt: Ehemann, Zwillingskinder, Wettkampfhärte. Ihr frischer Wind sorgt zuverlässig für Verkühlung.

Bei der Bild-Zeitung haben sie beobachtet, dass Ulrike Folkerts in diesem Tatort von ihrer neuen Kollegin "an die Wand" gespielt werde. Warum? "Folkerts wirkt müde, die Neue bringt frischen Wind in den Jubiläums-Krimi", berichtet Bild, die nicht verstanden hat, dass Folkerts müde wirken soll, das steht so im Drehbuch. Und das mit dem frischen Wind - scheußliche Floskel übrigens - steht da auch.

Folkerts ermittelt im 25. Jahr als Lena Odenthal; höchste Zeit, das Setting etwas zu beleben. Das erledigen im Tatort gern neue Assistenten, der wunderbare Antoine Monot jr. hat frischen Wind sogar in den Bremer Tatort gebracht, bevor er ein Messer in den Rücken bekam und danach trotzdem imstande war, bei Saturn als Tech-Nick zu arbeiten.

Lena Odenthals bewährter Kollege Kopper reist zur Familie nach Italien, ersatzweise wird der Kommissarin die Fallanalytikerin Johanna Stern als Unterstützung zugeteilt. Frau Stern hat alles, was Odenthal fehlt: Ehemann, Zwillingskinder, Wettkampfhärte. Ihr frischer Wind sorgt zuverlässig für Verkühlung. Ein Leichenfundort ist für sie "eine Inszenierung", sie hat beim FBI hospitiert und war zwei Jahre "in Auschtralien", wie der Kriminaltechniker im Stimmklang der Region murmelt. Vor allem ist Johanna Stern sehr jung, während Lena Odenthal inzwischen zur Gruppe jener Routiniers gehört, die schon die Tastenkombination Alt + Entferne als Angriff auf die eigene Identität verstehen.

Das ist die Idee hinter der Episode "Blackout": Die ausgebrannte Odenthal wird bedroht von Assistentinnen und Verdächtigen; allesamt großäugige Checkerinnen, die in loftartigen Unterkünften Fitnessübungen machen, dabei dekorativ schwitzen und sich zwischendurch mal einen Kaffee gestatten, von dem sie der Kommissarin nicht mal was abgeben.

Flasche im Enddarm

Der Fall an sich? Eine eher handelsübliche K.o.-Tropfen-Nummer, Eifersucht, Fremdgeherei. Ein Mann liegt mit runtergelassener Hose tot in einer Wohnung, eine Champagnerflasche ist auch im Spiel, Billigfusel vom Discounter. "War ja eh für de' Arsch" murmelt im Stimmklang der Region der Kriminaltechniker, was nicht nur im übertragenen Sinne zutrifft: Dem Toten steckt der Flaschenhals im Enddarm.

Textlich liegt diese Episode über dem Ludwigshafener Niveau, inhaltlich hätte das Psychogramm einer Frau, die von der Zeit vertrieben wird, mehr Charme gehabt, wenn nicht auf der leading idea so gnadenlos herumgeritten würde. Lena und der Barkeeper philosophieren über das Alter, Lena allein mit der Katze, und irgendwann kommt Kopper zurück, mitsamt seinen Weisheiten aus dem Grundkurs Küchenpsychologie. Letzte Erkenntnis: Einer einsamen Frau hilft am allerwenigsten der einsame Mann.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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Quelle:
SZ vom 25.10.2014/mkoh
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