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Verfilmungen in ARD und ZDF:Viel Lotte, wenig Bauhaus

Lotte am Bauhaus

Ausgelassen: Szene aus der ARD-Produktion Lotte am Bauhaus.

(Foto: Stanislav Honzik/MDR/UFA Fiction)
  • Im 100. Jubiläumsjahr verfilmen ARD und ZDF jeweils Episoden über das Bauhaus.
  • Allerdings verkommt die berühmte Kunstschule in beiden Fällen zum ästhetischen Rahmen, im Vordergrund stehen Liebesgeschichten
  • Lotte am Bauhaus läuft Mittwochabend um 20.15 Uhr im Ersten. Im Herbst strahlt das ZDF die sechsteilige Serie Die neue Zeit aus.

Papier und Kohlestift. Das sind die Protagonisten der ersten Szene im ARD-Fernsehfilm Lotte am Bauhaus . Der gut anderthalbstündige Film spielt im Titel mit Thomas Manns Goethe-Roman "Lotte in Weimar", aber es handelt sich um ein Bauhaus-Porträt zum 100. Geburtstag der 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten, noch immer extraterrestrisch anmutenden Kunstschule, die zum Inbegriff ästhetischer Avantgarde und gesellschaftlicher Utopie wurde.

Nach allen Regeln der hiesigen Eventkunst würdigt das Jubiläumsjahr das Bauhaus als deutsches Kulturgut - das von den Nazis 1933 verjagt wurde. Bauhausmuseen, Symposien, Publikationen - und TV-Sender liefern sich ein Bauhaus-Duell. Lotte am Bauhaus ist in der ARD am Mittwoch um 20.15 Uhr zu sehen - mit Jörg Hartmann als Walter Gropius. Im ZDF wird im Herbst die sechsteilige Serie Die neue Zeit ausgestrahlt. Darin wird Walter Gropius von August Diehl gespielt.

Der Sechsteiler verhandelt die (nie belegte, aber insbesondere von Gropius-Kritikern gern behauptete und auch nicht völlig unwahrscheinliche) Skandal-Liaison zwischen Walter Gropius und seiner Studentin Dörte Helm. Bei dem Lotte-Film - in der bemerkenswerten Regie von Gregor Schnitzler - geht es dagegen um eine Hommage an eine der unbekanntesten bekannten Frauen der modernen Designgeschichte. Weshalb in der ersten Szene zunächst das charakteristische, schabend sich vortastende Geräusch des Skizzierens zu hören ist, das entsteht, wenn die Hand schon mehr ahnt als der Kopf weiß. Diese Hand gehört eigentlich Alma Buscher.

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Das Wort "Bauhäusler" hört sich ein bisschen so an wie das Wort "Zuchthäusler"

Sie ist die Frau, die sich als visuell hochbegabte Bauhausstudentin in Weimar einst das "Kleine Schiffsbauspiel" ausgedacht hat. Der hölzerne Bausatz in den leuchtenden Bauhausfarben gehört wie die berühmte Wagenfeld-Leuchte oder der Wassily-Chair zu den immer noch allgegenwärtigen Ikonen der Moderne. Doch seine Schöpferin ist heute beinahe vergessen.

1944 wurde Alma Siedhoff-Buscher, die von 1922 bis 1925 am Staatlichen Bauhaus in Weimar bei Gropius, Muche, Klee und anderen - unvergessen männlichen - Großmeistern der Gestaltung studierte, von Fliegerbomben getötet. Wenn man sich nun in der dritten Szene von Lotte am Bauhaus für die von Alicia von Rittberg eindrucksvoll gespielte Bauhausschülerin, die 20-jährige fiktive Lotte Brendel (alias Alma Buscher) und ihr Leben zwischen Tradition und Vision, Kunst und Küche, männlich dominierter und fraulich aufbegehrender Lebenswelt am Bauhaus interessiert, also dem Film nur zu gern folgen will, so muss man aber erst die zweite Szene erleiden. Erdulden. Am liebsten: vergessen.

Zwischen dem Skizzieren und der Figur der Lotte muss man erst durchs Klischee waten. Indem man die jungen Bauhaus-Studenten, Männer und Frauen, möglicherweise in Sichtweite zu Goethes Weimar-Hideaway, dem Gartenhaus, zum Nacktbaden begleitet. Wo sie sich ausgelassen mit Farbpulver bewerfen und lautstark den Weimarer Schicklichkeitssinn am Beginn des 20. Jahrhunderts herausfordern. Zu hören ist ein raunendes: "Das sind Bauhäusler." Das Wort "Bauhäusler" hört sich da ein bisschen so an wie das Wort "Zuchthäusler".