9Live wird eingestellt Schluss, Aus, Vorbei

Die Umsätze gingen stetig zurück, gleichzeitig gab es heftige Kritik - 9Live konnte sich auf dem Markt einfach nicht etablieren. Nun schließt das Unternehmen endgültig ab mit dem Quizspielkanal, verfolgt aber schon wieder neue Pläne.

Nur noch wenige Tage, dann wird der einstige Quizsender 9Live bereits Fernsehgeschichte sein. Aufgrund des Umsatzrückgangs der vergangenen Jahre werde die ProSiebenSat1 Group den Sendebetrieb von 9Live vom 9. August an vollständig einstellen, teilte der Konzern in Unterföhring mit.

Für eine kurze Zeit lang drehte sich das "Glücksrad" wieder - zumindest in der Wiederholung auf 9Live.

(Foto: 9Live)

9Live, der im September 2001 aus dem Sender tm3 hervorging, war in den vergangenen Jahren immer wieder wegen seiner Anruf-Gewinnspiele in die Kritik geraten. Bei der Bekanntgabe der Konzernzahlen für das zweite Quartal am Donnerstag hieß es, die Erlöse des Senders hätten unter dem Vorjahreswert gelegen.

Bereits Anfang Mai teilte das Unternehmen mit, dass der Live-Betrieb wegen deutlich gesunkener Umsätze zum 31. Mai einstellt werde.

Zunächst hatte der Sender noch Serien und Tierfilme im Programm, ließ Klassiker wie das "Glücksrad" wieder aufleben und gab Lebenshilfe, unter anderem im TV-Comeback von Margarethe Schreinemakers. Eingerahmt von Astro-TV und Teleshopping dominierten bis zur Einstellung des Live-Betriebs Ende Mai jedoch die sogenannten Call-In-Sendungen, bei denen Zuschauer anrufen und bei diversen Rate- und Kombinationsspielen mitmachen konnten. Eine wichtige Rolle spielte dabei der "Hot Button", ein Zufallsgenerator, der die Anrufer in die Sendung durchstellte.

Die vor mehreren Jahren erhobenen Vorwürfe, die Auswahl der Anrufer sei gar nicht zufällig, konnten seinerzeit widerlegt werden. Trotzdem brachte das Format weitere rechtliche Probleme mit sich. Mehrfach wurden von den Landesmedienanstalten Bußgelder gegen den Sender verhängt, der seit 2005 komplett zu ProSiebenSat.1 gehörte.

Neuer "Best-Ager"-Sender

Allein im Februar 2010 musste 9Live wegen irreführender Aussagen, Vorspiegelung von Zeitdruck und Verletzung von Hinweispflichten eine Strafe von 115.000 Euro zahlen. 9Live hatte damals wiederholt gegen die 2009 in Kraft getretene Gewinnspielsatzung verstoßen. Die Sendungen müssen demzufolge nach für die Nutzer nachvollziehbaren und verständlichen Regeln ablaufen. Die Telefongebühren, die für die Anrufe fällig wurden, waren die Finanzierungsgrundlage des Senders.

Vom Ende des Senders sind rund 60 Mitarbeiter betroffen. Nach Angaben von Konzernsprecher Julian Geist werden aber 40 Prozent der Betroffenen wieder im Konzern untergebracht. Ein Viertel sei extern vermittelt worden. Für den Rest der Kollegen greife ein Sozialplan. 9Live war vor allem auch dafür bekannt, deutschen Fernsehpromis in den Quizsendungen eine Plattform zu bieten, unter anderem auch Jessica Wahls von den "No Angels" oder dem Ex-"Big Brother"-Kandidaten Jürgen Milski.

Statt auf Quizspiel-Formate mit undurchschaubaren Regeln möchte das Unternehmen nun in neue Sparten investieren. Innerhalb der nächsten zwölf Monate soll nach Angaben von ProSiebenSat1 ein neuer "Best-Ager"-Sender an den Start gehen. Details stünden noch nicht fest. Außerdem will der Konzern die Reichweite des im Mai 2010 gestarteten digitalen Frauensenders sixx erhöhen. Bis zum Jahresende will das Unternehmen mit dem Sender, der sich vor allem an der weiblichen Zielgruppe orientiert, 30 Millionen Haushalte erreichen. Auf der Frequenz von 9Live bleibt der Bildschirm in Zukunft zunächst aber schwarz.

Sender für Frauen

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