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Linda Zervakis bei Pro Sieben:"Jetzt steht der Name drauf"

Linda Zervakis wechselt zu ProSieben

Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel moderieren von Herbst an das Informationsmagazin "Zervakis & Opdenhövel. Live."

(Foto: Michael De Boer/Pro Sieben/dpa)

Pro Sieben sucht weiter nach Relevanz und wirbt dafür Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel von der ARD ab.

Von Aurelie von Blazekovic

"Unterhaltung muss - Haltung zeigen. Und Haltung kann Menschen - Halt geben." Mit dieser wirklich ernsthaften Erforschung des eigenen Kerngebiets leitete ein Einspieler am Mittwoch die Pressekonferenz von Pro Sieben ein, in der Pro-Sieben-Chef Daniel Rosemann sehr stolz eine neue Sendung ankündigte. Sie soll Teil einer Neugestaltung im Programm des Privatsenders werden, das wurde nun zum ersten Mal ganz direkt ausgesprochen.

Linda Zervakis, die ehemalige Tagesschau-Sprecherin, wechselt zu Pro Sieben. Gemeinsam mit Matthias Opdenhövel, der seinerseits ebenfalls gerade die ARD verlässt (bis Mai ist er bei der Sportschau), wird sie "ab dem frühen Herbst, noch vor der Bundestagswahl" die Sendung Zervakis & Opdenhövel. Live. moderieren, ein informatives und journalistisches Journal. Die zweistündige Live-Sendung soll Teil einer umgebauten Hauptabendgestaltung bei Pro Sieben werden und jede Woche von 20.15 bis 22.15 Uhr laufen, an welchem Wochentag entscheide sich noch.

2021 sei Pro Sieben relevanter denn je, sagte Rosemann. Man nehme nur die siebenstündige Sendung über die Krankenpflege oder das Interview mit Annalena Baerbock in den vergangenen Wochen. Am Senderspruch "We love to entertain you" werde man zwar festhalten, schließlich sei das "der beste Claim aller TV-Sender", behauptete Rosemann. Aber, wiederholte er: In Unterhaltung passe Haltung rein. Und in Haltung eben Halt. Man fragte sich gerade, was dann in Halt wiederum für ein Wort reinpassen könnte, als dann die Zervakis-Opdenhövel-Nachricht verkündet wurde.

Linda Zervakis freut sich: "Jetzt steht der Name drauf."

Nicht weniger als eine "Institution" soll die neue Sendung werden, wenn es nach Rosemann geht. Ein Format, mit dem der Senderchef "viele Millionen Menschen erreichen will", von bis zu sechs Millionen träumt er. Mit der neuen Prime-Time-Sendung wolle man Hintergründe vermitteln, Horizonte erweitern und auch komplizierte Themen anpacken. Der Senderchef und das ebenfalls anwesende Moderatorenduo vermittelten aber auch: Trocken nachrichtlich oder gar öffentlich-rechtlich wird das bestimmt nicht. Emotionalität spiele eine große Rolle. Von Zervakis und Opdenhövel soll "ganz viel drinstecken", erklärte Rosemann.

Linda Zervakis, die sich erst am Montagabend offiziell von der Tagesschau verabschiedet hatte, wagt bei Pro Sieben einen Neuanfang. "Jetzt steht der Name drauf, das hatte ich vorher noch nicht," sagte sie über die neue Sendung. Anders als bei ihrem bisherigen Job wird es diesmal nicht um die reine Nachricht gehen. "Es soll gelacht werden, geweint werden, und man soll sich auch freuen", so Zervakis.

Auch abseits der neuen Sendung hat Pro Sieben Pläne in Sachen Information. Unter anderem will Daniel Rosemann nach Baerbock auch die anderen beiden Kanzlerkandidaten, Olaf Scholz und Armin Laschet, zu einem großen Interview bei Pro Sieben bewegen. Verkünden könne man nichts, aber "auf die Präsenz der beiden Herren" arbeite man gerade hin.

In Unterföhring wird dieser Tage also von Großem geträumt: von politischen Scoops im Programm, von mehr Lob für die neue Relevanz. Nach der Bundestagswahl könnte sich der Senderchef, wie er sagte, eine Talkrunde vorstellen "mit den Berufsrentnern Barack Obama, Angela Merkel, Jogi Löw und Dieter Bohlen".

© SZ/tyc
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