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Lieblingsserie: The Wire:Obamas Lieblingsfigur

In Teil drei der Serie wird "Hamsterdam" geschaffen: In dem entvölkerten Wohngebiet der Ostküsten-Metropole dürfen die Drogenkids ihre Ware verkaufen - dafür sollen sie sich aus den bewohnten Gebieten Baltimores zurückziehen. Die Politiker, mitten im Wahlkampf steckend, packt das blanke Entsetzen.

The Wire neu

Jagd auf den Drogenboss: Die US-Serie The Wire

(Foto: HBO)

Wie wenig Chancen die Jugendlichen auf eine Ausbildung haben, erzählt Staffel vier. Das Schulsystem ist marode und die Lehrer halten lieber unsinnige Vorgaben der Schulbehörde ein, als die Kinder tatsächlich zu fördern. Die fünfte und letzte Staffel stellt die Journalisten ins Zentrum des Geschehens.

Der realistische Blick auf den Kampf einer Stadt ums Überleben und die hohe Authentizität der Figuren sind dem Autorenteam zu verdanken, die wirklich wissen, worüber sie schreiben. Produzent David Simon war zwölf Jahre lang Polizeireporter bei der Baltimore Sun. Unterstützt wurde er von Ko-Autor Ed Burns, einem Detektiv aus Baltimore sowie von dem in der Bronx geborenen Richard Price.

Wie gut das Schreiber-Team Baltimore kennt, zeigt sich auch an der Sprache der Protagonisten: Jede der gesellschaftlichen Gruppen redet und lebt in ihrem eigenen Jargon. Den Drogenkindern beispielsweise ist jegliche Grammatik fremd, sie verständigen sich mit Begriffen, die in keinem Wörterbuch zu finden sind. Allen gemeinsam ist der Slang von Baltimore. So mussten die Zuschauer von HBO teilweise zu den Untertiteln schalten, um den Dialogen folgen zu können.

Vorgetäuschter Drogendeal

Das stellt auch die deutsche Synchronisation vor Herausforderungen. Zum einen kann der amerikanische Dialekt nicht in einen deutschen umgewandelt werden, die Gefahr, dass die Figuren lächerlich wirken, wäre zu groß. Zum anderen gibt es für manche Begriffe wie "byburst" und "stashhouse" einfach keine deutschen Entsprechungen. Die Deutsche Synchron in Berlin, die dafür verantwortlich ist, löste das Problem so: Sie behält manche englischen Wörter einfach bei und setzt darauf, dass der Zuschauer aus dem Zusammenhang begreift, dass es sich um einen vorgetäuschten Drogendeal und um das Drogenversteck geht.

Die Serie hat in den USA mehrere Preise erhalten, darunter 2002 die Auszeichnung des Time Magazines als "Beste Fernsehserie". Nach der fünften Staffel, die in den USA im März 2008 endete, war dennoch Schluss: Trotz Kritikerhymnen und eines enormen Medienechos war die Serie in den USA kein Massenphänomen. So zählte HBO beim Finale der vierten Staffel 1,9 Millionen, bei der fünften Staffel schalteten pro Episode eine Million Zuschauer ein. The Wire ist eben nichts für den schnellen TV-Konsum zwischen Kühlschranktür und dem nächsten Bier.

Ausstrahlung auf Fox Channel (über Sky Deutschland): 5. Staffel in deutscher Erstausstrahlung seit 11. Juni 2010, jeweils als Doppelfolge um 20.15 Uhr und 21.10 Uhr.

© sueddeutsche.de/berr
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