Süddeutsche Zeitung

Lieblingsserie: Firefly:Cowboys im All

Wildwest im Weltraum: Warum "Firefly" mit seiner Mischung aus Action, Humor und düsterer Spannung ein Geheimtipp für Science-Fiction-Fans ist.

Zugegeben: Wenn dem geneigten Science-Fiction-Fan das erste Mal die countryhaften Klänge des Firefly-Vorspanns entgegentönen, macht sich eine gewisse Skepsis breit. Spätestens in der Mitte der Staffel ertappt er sich jedoch beim Mitsummen. Die Musik geht ins Ohr, die Serie packt den Zuschauer.

Die Abenteuer einer Raumfrachter-Crew von Gesetzlosen stellen eine der besten Science-Fiction-Serien dar, die bislang über die Bildschirme geflimmert sind. Western und Weltraum vermischen sich in Firefly mit viel Humor. Und das Leben im rauen interplanetaren Grenzgebiet, wo Cowboys auch mal auf Chinesisch fluchen, wirkt dreckiger, realer und unverbrauchter als andere Science-Fiction-Szenarien.

An Bord des altersschwachen Frachters Serenity fliegen neun Vagabunden durch die nach Wildwestmanier besiedelten Randsektoren im All. Dort, wo die zentralistische, finstere Regierung der Allianz nicht ganz so viel Macht ausüben kann. Dabei nimmt die Crew unter Captain Mal Reynolds so ziemlich jeden Job an: Einen Zug ausrauben, Schmuggelware transportieren, Kunstgegenstände stehlen oder einem Grenzstadt-Bürgermeister Paroli bieten.

Auf den Punkt gebracht, kann man sich Firefly so vorstellen: Nehmen Sie Han Solo aus Star Wars, geben Sie ihm statt einem Wookie eine komplette Crew und lassen Sie dafür Luke Skywalker, Darth Vader und die anderen Jedi aus dem Bild. Das vermittelt einen recht guten ersten Eindruck und ist gleichzeitig sehr ungerecht. Aber Ungerechtigkeit, das ist die Crew des Raumschiffs Serenity ja gewohnt.

Die Plots der gerade mal 14 Episoden sind zumeist eher durchschnittlich. Sehenswert ist die Serie wegen der gelungenen Atmosphäre, den starken Charakteren und ihrem Dialogwitz. Humorvolle Dialoge und schräge Figuren zeigte Macher Joss Whedon schon bei seinen Erfolgen Buffy und Angel. Firefly kommt deutlich erwachsener daher, teilt mit ihnen aber etwas anderes Whedon-typisches: Die Einstellung, dass Action, Humor und düstere Spannung sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern innerhalb eines Formats verknüpft werden können.

Neun Hauptdarsteller

Firefly ist eine Ensemble-Show: Unter den neun Crewmitgliedern gibt es keine zweitrangigen Figuren. Natürlich haben manche mehr Text als andere, aber kein Charakter bleibt bloßer Stichwortgeber. Und selbst wenn der einzige Auftritt in der Episode darin besteht, dass die Figur den Kopf um die Ecke steckt: Dann ist der einzige Satz, den sie sagt, auf den Punkt, witzig und absolut passend zum Charakter.

Da ist zunächst der Captain, von Nathan Fillion als liebenswert-gewitzter, aber nicht besonders heller Schmuggler und Ex-Soldat dargestellt. Der schießt einem Bösewicht schon mal kommentarlos in den Kopf oder gibt seinem am Boden liegenden Duell-Gegner noch ein paar Stiche mit, dumme Sprüche inklusive.

Ihm zur Seite stehen die amazonenhafte Zoe und deren Mann, der Hawaiihemdenträger und Berufspilot Wash. Hinzu kommen der ungehobelte, stets nur auf den eigenen Vorteil bedachte Söldner Jayne - von Adam Baldwin so umgesetzt, dass der Fiesling trotzdem einer der Fanlieblinge ist -, die Edel-Kurtisane Inara und Shepherd Book. Ein Prediger, der Bibelverse schon mal nachschlagen muss, die Spezifikationen militärischer Waffen aber im Kopf hat. Gäste an Bord sind der vornehme Doktor Simon und seine mysteriöse, übersinnlich begabte Schwester River. Simon hinterher schmachtet die Mechanikerin Kaylee, die gute Seele des Schiffes.

Fox in der Gastrolle als böses Imperium

Nicht nur die Ausgestaltung der Figuren stimmt, die Chemie zwischen den Darstellern tut es ebenso, wenn man nach ihren Aussagen in diversen Clips geht. Das merkt man der Serie an. Und wie die Besatzung geeint wird durch den gemeinsamen Feind, die Zentralregierung namens Allianz, so wurden es Cast und Crew durch den gemeinsamen Gegner Fox. Bei dem US-Sender lief die Serie 2002. Von Anfang an machten die Verantwortlichen dem Format das Leben schwer: So strahlte Fox den Piloten nicht als Erstes, sondern als Letztes aus und würfelte auch die weiteren Episoden bunt durcheinander. Die Sendetermine verschoben die Verantwortlichen ebenfalls gerne mal.

Schlechte Quoten sorgten daraufhin für Druck - und für eine Solidarisierung der Fans mit der Produktion. Sie nannten sich Browncoats, wie die Rebellen, die im Bürgerkrieg gegen die Allianz verloren hatten. Sie organisierten sich, schalteten eine Anzeige im US-Magazin Variety und starteten eine Postkarten-Kampagne, um die Serie zu retten. Wie die Browncoats im Serienuniversum haben sie verloren, noch während der ersten Staffel schoss Fox Firefly ab. Doch die Serenity fand - ganz im Stil der Serie - einen Weg, weiterzufliegen: Auf DVD verkaufte sich Firefly so gut, dass Universal die Rechte erwarb und 2005 den Kinofilm Serenity folgen ließ - mit der Originalbesatzung.

Firefly - Der Aufbruch der Serenity ist in Deutschland auf DVD und Blu-Ray von 20th Century Fox erhältlich. Erstmals im TV ausgestrahlt wurde sie bei uns im vergangenen Jahr bei Super RTL.

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