Letzter "Tatort" mit Joachim Król Wieder ein Held sein

Zwei Männer auf der Suche nach sich selbst: Armin Rohde (Rolf Poller) und Joachim Król (Frank Steier) im Tatort "Das Haus am Ende der Straße"

(Foto: HR/Degeto/Bettina Müller)

Sie wollen mitreden über den "Tatort" aus Frankfurt? Hier erfahren Sie, warum der Alkohol Frank Steier den Job kostet und welchen verbalen Showdown er sich mit seinem Geiselnehmer liefert. Die Nachlese - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Johanna Bruckner

Darum geht's:

Um die ganz großen Fragen des Krimis: Wie weit bist du bereit zu gehen, um deine Schuld zu sühnen? Wie weit bist du bereit zu gehen, um dein eigenes Leben zu schützen? Kannst du dich wirklich ändern? Verhandelt werden diese Fragen im "Haus am Ende der Straße", so auch der Titel des letzten Frankfurter Tatorts mit Joachim Król als Kommissar Frank Steier. Das Haus mit der Nummer 19 ist vorläufige die Endstation für fünf Menschen: Da ist der Hausbesitzer und Ex-Polizist Rolf Poller, der nicht über den Drogentod seines Sohnes hinwegkommt. Da sind die Brüder Nico und Robin Sauer und Robins drogensüchtige Freundin Lisa, die eigentlich nur in die Villa nebenan einbrechen wollten. Doch der scheinbar sichere Job geht schief, plötzlich liegt der Besitzer erschlagen auf dem Boden. Und natürlich Steier, den sein Alkoholismus eingeholt hat: Weil seine Aussage vor Gericht angezweifelt wird, bleibt der Tod eines kleinen Mädchens ungestraft. Steier kündigt und will nun selbst für Gerechtigkeit sorgen.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Tatort Einmal Ratte, immer Ratte
TV-Kritik
"Tatort" aus Frankfurt

Einmal Ratte, immer Ratte

In seinem letzten "Tatort" sitzt Joachim Król mit drei Jugendlichen in Geiselhaft, eingesperrt von Armin Rohde. Ein Krimi voller Duelle. Da verkommt selbst der Kampf Schäuble vs. Varoufakis zur Kindergartennummer.   Von Holger Gertz

Bezeichnender Dialog:

Ex-Polizist Rolf Poller hat Kommissar Steier niedergeschlagen und hält ihn in seinem Haus fest. Die beiden sitzen sich an Pollers Schreibtisch gegenüber; Poller spielt mit der Dienstwaffe des Kommissars.

Steier: Waren Sie gerne Polizist?

Rolf Poller: Bin ich gerne Mensch? Manche Sachen, die wird man einfach, die sucht man sich ja nicht aus.

Steier: Hören Sie, noch kann ich Ihnen helfen, wir können die ganze Sache hier beenden. War der Schock, war 'ne Kurzschlussreaktion.

Rolf Poller: War keine Kurzschlussreaktion.

Steier: Das ist schwere Nötigung, Freiheitsberaubung. Das reicht für mindestens drei Jahre, das wissen Sie doch.

Rolf Poller: Drei Jahre, sechs Jahre, zehn Jahre - lach' ich drüber. Ich hab' nix zu verlieren.

Steier: Wieso?

Rolf Poller: Die üblichen Sachen. Ich hab' versucht, mein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Hat nicht geklappt. Hat nicht geklappt ... Ich wollte wieder ... Ja, wie soll ich datt sagen?

Steier: Held im eigenen Film sein.

Joachim Król in seinem letzten Fall als Kriminalhauptkommissar Frank Steier

(Foto: HR/Degeto/Bettina Müller)

Rolf Poller: Held im eigenen Film sein? Find' ich gut, gefällt mir. Held im eigenen Film sein ... (Schenkt sich ein Glas Whisky ein; Steier guckt auf die Flasche, dann zu Boden.) Für Sie besser keinen, oder?

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Während Rolf Poller in seinem Haus Kommissar Steier, die Brüder Sauer und Lisa gefangen hält, beseitigt er in der Villa nebenan die Spuren des vorangegangenen Verbrechens. Mit gelben Gummihandschuhen, Eimer und Schwamm schrubbt er die blutbefleckten weißen Fliesen, verstaut die Leiche seines Nachbarn im Kofferraum. Dazu läuft im Hintergrund Liebesfilmmusik, Al Green singt "Simply Beautiful".

What about the way you love me?

And the way you squeeze me?

Simply beautiful

Yeah, beautiful

When you get right down it

Baby ... baby ...

When you needed me

I was right there beside you, girl

Top:

Dieser Tatort zeigt, was der Tatort im besten aller Fälle ist: nämlich nicht bloß ein Schwarz-Weiß-Krimi. Das "Haus am Ende der Straße" ist ein bestechendes Verwirrspiel - wer ist hier nun Opfer, wer Täter, und war das nicht vor zwei Minuten noch ganz anders? Bei all der Tragik ist da auch immer wieder eine feine Komik: Wenn Ex-Polizist Poller den baldigen Ex-Kommissar fragt: "Herr Steier, was ich mich die ganze Zeit frage, is': Was machen Sie hier? 'Nen Polizist zur richtigen Zeit am richtigen Ort - ist doch eher ungewöhnlich." Wenn Steiers Chef ihn vor Kollege Seidel als "Casus Knacksus" bezeichnet. Oder wenn die drogensüchtige Lisa sich einen Schuss setzt und dabei Elliott Smith singt "I Get Along Without You Very Well".

Flop:

"Laut Akten ist er einer der Besten", sagt Steiers Chef über ihn. Sehr schade, dass dies sein letzter Fall war.

Beste Auftritte:

Armin Rohde spielt den Rolf Poller grandios, diesen schuldgeplagten Mann, irgendwo zwischen Gerechtigkeitssuche und Vergeltungsdrang, mal völlig klar, mal einfach nur wahnsinnig. Vincent Krüger (bislang vor allem bekannt aus der RTL-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten) muss als Kleinkrimineller Robin Sauer im Laufe des Tatorts erkennen, dass Bruder und Freundin bereit sind, ihn zu verkaufen - für die eigene Freiheit oder den nächsten Schuss. Da kann man schon mal bedröppelt gucken; das tut Krüger ganz fabelhaft. Und, natürlich und immer wieder, Joachim Król als Kommissar Steier.

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Die Erkenntnis:

Im entscheidenden Moment zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen: böse ist böse und Polizist ist Polizist. Daran ändert auch ein verbrennender Dienstausweis nichts. "Für Schuld bin ich Experte, Steier. Sowas, das machen Sie nicht mit Gefängnis wieder gut", sagt Poller und fordert den Kommissar auf, zur Waffe zu greifen, um Nico Sauer zu erschießen: "Jetzt mach' Dich mal gerade!" Das tut Steier - nur eben nicht so, wie Poller möchte.

Die Schlusspointe:

Die letzte Szene dieses grandiosen Tatorts spielt in einem Gerichtssaal. Steier wird als Zeuge vernommen. "Beruf?", fragt der Richter. Steier sagt: "Kriminalhauptkommissar. Außer Dienst." Und lächelt.

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