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As Time Goes By: Ulrich Meyer und 'akte' (1995/2016)

Ulrich Meyer, 61, ist Moderator und TV-Produzent, der für RTL gearbeitet hat (Explosiv, Explosiv - Der heiße Stuhl) und seit 1992 vorrangig für Sat 1 tätig ist (Einspruch, Alarm, Akte).

(Foto: SAT.1)

Ulrich Meyer gibt die Moderation der "Akte" nach 22 Jahren ab, was für ihn mehr war als ein Job: Mit heiligem Ernst versuchte er, die Nöte seiner "Schutzbefohlenen" zu lindern. Ein schweres Erbe für Nachfolger Claus Strunz.

Ulrich Meyer hat das Sat-1-Magazin Akte - Reporter kämpfen für Sie so lange moderiert, 22 Jahre, dass es wenigstens für Journalisten ausgemacht zu sein schien, dass er dies mindestens bis zum Erreichen des Rentenalters weiter tun würde. "Ein Ende ist nicht in Sicht", stand in der SZ sowohl über dem Text zum 15. als auch über dem zum 20. Jubiläum jener Sendung, die Meyer den Ruf des "Prekariatsverstehers" eingebracht hat. Auch wenn Kritiker den Kopf schütteln über den heiligen Ernst, mit dem er die Nöte seiner "Schutzbefohlenen" zu lindern versucht, so hat ihm die zynismusfreie Zugewandtheit und Verlässlichkeit der Akte doch eine Alleinstellung im (Privat-)Fernsehen verliehen. Während andere Formate sich über ihre Zuschauer erheben, steht Meyer, Oberstleutnant der Reserve, ihnen seit 1995 mit durchgedrücktem Rücken zur Seite: ob in der Schuldenfalle oder beim Abnehmen.

Nun ist doch ein Ende in Sicht - es steht sogar unmittelbar bevor: Diesen Dienstag moderiert Meyer, doch auch schon 61, nach mehr als 1000 Ausgaben seine letzte Sendung, das, so will es der Sound des Formats, Akte 2016 Spezial: Ulrich Meyer - meine größten Akte-Stories. Von 22.15 Uhr an blickt er zurück auf Kurios-Übersteuertes wie "Lebensrettung in letzter Minute - So verhindern Akte-Reporter einen Auftragsmord", "Immer Ärger mit der Waschmaschinen-Reparatur - Die fiesen Tricks der Abzocker" und natürlich "Kokain im Bundestag - Akte-Reporter decken auf". Auf Parlamentstoiletten, zuerst in Berlin, später in Brüssel, per Wischprobe Koksspuren nachzuweisen war die wohl bizarrste aller Recherchen des Sat-1-Magazins. Nicht so für Meyer: "Das Thema ist für uns erst erledigt, wenn wir in fünf Jahren im Uno-Hauptquartier in New York waren", sagte er 2005. Dieser Scoop blieb ihm verwehrt.

In 22 Jahren mussten nur drei Akten ohne Meyer geöffnet werden. Die Sendung begreift er als Lebensaufgabe und bleibt als Produzent dabei. Ihn besorge der "brüchige soziale Frieden in diesem Land", sagte Meyer 2014 beinahe prophetisch. Seine Mission wird nun ein anderer fortführen: Am 10. Januar übernimmt Claus Strunz die Akte. Es gibt leichtere Jobs, als Nachfolger von Ulrich Meyer zu sein.