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Letzte Ausgabe von "TV total" mit Stefan Raab:Er weint

Letzte Sendung TV total mit Stefan Raab und Elton

Ein großer Spaß - nicht ganz bis zur letzten Minute: Stefan Raab und Show-Praktikant Elton verabschieden sich mit Tränen vom Publikum. Und von TV total.

(Foto: obs)

"TV total" hätte es ohne die Schwäche anderer nie gegeben. Bei der letzten Sendung zeigt Stefan Raab Gefühl.

Von Ralf Wiegand

Es war wohl einer der wenigen ehrlichen Momente des starken Stefan Raab in den 16 Jahren von TV total, dieser Sendung, die es ohne die Schwäche der anderen nie gegeben hätte. Am Mittwoch lief die letzte Ausgabe der Late-Night-Show auf Pro Sieben. Die Abschiedssendung wäre keiner Erwähnung wert, hätte Raab im letzten Augenblick nicht: geweint. Er wollte nicht, das sah man; es übermannte ihn. Das Warten auf diesen besonderen Moment bescherte der Show die beste Quote seit 2007.

Aber halt - Gefühl?

Wäre TV total eine Jahrmarktsbude, ein Hau-den-Lukas, dann wäre Stefan Raab der Hammer - und jeder, der gerade seinen Weg kreuzt, könnte der Pinökel sein, auf den dieser Hammer niedersaust. Je härter der Hieb, umso höher der Ausschlag an Schadenfreude. Das war das Ur-Prinzip von TV total: Menschen, die irgendwie peinlich aufgefallen waren, weil sie etwas nicht können, der Lächerlichkeit preiszugeben.

Game over

Raab hat sich damit eine Fan-Gemeinde geschaffen, die dieses Format - eine Sendung über den Enddarm des Fernsehens - innovativ und wichtig fand. Und diese Gemeinde heulte nun, während sie twitterte, mit Raab Rotz und Wasser. Game over.

Raab, so glaubten die Fans, halte dem Blöd-TV doch nur den Spiegel vor. Einige Menschen haben dadurch Berühmtheit erlangt, ob sie wollten (wie Show-Praktikant Elton, das professionelle Raab-Opfer und sein einziger Gast zur Abschiedssendung) oder nicht (wie all die Hässlichen, Dummen, Ungeschickten, Talentfreien und jene mit komischen Namen).

Manche von ihnen haben Frieden mit Raab erst vor Gericht geschlossen. Andere nie. Sie dürften die überraschenden Tränen von Stefan, dem Starken, eher weniger gerührt haben.

© SZ vom 18.12.2015/jobr
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