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Flaubert-Dreiteiler im SWR:Sonntag ist Revolutionstag

SWR2 Hörspiel am Sonntag

Großer Trubel, ruhige Kraft: Senta Berger als Erzählerin von Gustave Flauberts "L'Éducation sentimentale" in der Neuübersetzung von Elisabeth Edl.

(Foto: SWR - Südwestrundfunk/obs)

Senta Berger erzählt auf SWR2 im Hörspiel mit großer Ruhe vom Wirbel der "Lehrjahre der Männlichkeit".

Von Stefan Fischer

Es braut sich wieder etwas zusammen in Frankreich. Die große Revolution, die 1789 ihren Anfang nahm, liegt ein halbes Jahrhundert zurück. In der Zwischenzeit hat es sich die Gesellschaft gemütlich gemacht, in einer zunehmend rigiden Restauration - auch Frankreich hat sein Biedermeier. In den Pariser Salons werden zwar große Reden geschwungen, aber sie drehen allesamt leer. Denn sie haben keine Handlungen zur Folge, zementieren stattdessen die Verhältnisse.

So wird mit Eifer gefordert, die Kunst müsse anspornen zu moralischem Handeln. Nichts anderes sei ihr Daseinszweck. Gemeint ist eine rigide Moral, lust- und lebensfeindlich. Aber allmählich beginnen sich die Dinge zu drehen. Wer derart missioniert, läuft mittlerweile Gefahr, als Nationalgardist geschmäht zu werden. Die Handlung in Gustave Flauberts Roman L'Éducation sentimentale, neu ins Deutsche übersetzt von Elisabeth Edl unter dem Titel Lehrjahre der Männlichkeit, setzt 1840 ein. Acht Jahre später wird wieder Revolution sein in Frankreich

Senta Berger trägt das Hörspiel als Erzählerin

Darauf steuert die opulent erzählte Geschichte zu, und in ihrem Strudel steckt der junge Frédéric Moreau, der mehr durch diese Zeit und sein Leben stolpert, als dass er Entscheidungen trifft und handelt. Patrick Güldenberg spielt ihn in Leonhard Koppelmanns dreiteiliger Hörspiel-Inszenierung. Diese ist, obschon viereinhalb Stunden lang, ein Kondensat des Romans. Immer wieder löst Koppelmann die Handlung szenisch auf, mit tollen Schauspielern: Gudrun Landgrebe, Franz Pätzold, Jörg Hartmann und Lou Strenger etwa gehören zum Ensemble.

Die Hauptrolle fällt jedoch Senta Berger zu, die das Hörspiel als Erzählerin trägt. Ihre Stimme wird umspielt von der Musik Peter Kaizars, der klassische Instrumente einsetzt. Mit großer Ruhe berichtet sie, wie die französische Gesellschaft, speziell die in der Hauptstadt, aus der Bahn geworfen wird. Das ist es, was die Lehrjahre vor ihrem Publikum ausbreiten: nicht die politischen Ereignisse, sondern die individuellen Folgen davon.

Lehrjahre der Männlicheit, SWR 2, sonntags, 18.20 Uhr.

© SZ/tmh
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