Late-Night-Shows Ambitionen fehlen

Gegen eine neue Show sprechen die Erfahrungen, die besagen, dass diese Sendungen oft gut für den Ruf waren, selten aber für die Kasse der Sender. "Bisher hat noch keine Late-Night-Show die zehn Prozent Marktanteil signifikant geknackt", sagt Grabosch und schätzt auch den finanziellen Aufwand, der für eine Show mit einer Nettolänge von 48 Minuten fällig würde, klar ein. "Um die 100 000 Euro muss man pro Folge schon investieren."

Natürlich sei es billiger, zum 17. Mal eine Serie zu wiederholen, als eine tagesaktuelle Show auf die Beine zu stellen, sagt er dann noch und zielt damit offensichtlich in Richtung Pro Sieben, wo man nach dem Abschied von Stefan Raab die Ambitionen auf eine tägliche Show auf Eis gelegt hat.

Am Personal liegt es laut Grabosch nicht. "Wenn man Luke Mockridge, Klaas Heufer-Umlauf, Carolin Kebekus oder Enissa Amani ernsthaft fragen würde, würden die wahrscheinlich nicht Nein sagen", schätzt er die Lage ein und hat sogar einen parat, dem er einen Instant-Erfolg zutrauen würde. "Übernähme Oliver Welke jetzt eine Late Night, würde das sicher funktionieren. Der würde aus dem Stand eine Million Zuschauer holen."

Eine gute Late-Night-Show lebt vom Ritual

Das fordert natürlich eine Anfrage beim derart Hochgelobten heraus. Schon nach einer halben Stunde ruft Oliver Welke zurück und wundert sich nachhaltig über die mediale Welle, die seine Interviewäußerungen ausgelöst haben. Das sei doch lediglich eine winzige Passage gewesen. Und von der täglichen Show will er gleich gar nichts wissen. "Ich habe einen langfristigen Vertrag mit dem ZDF und bin dort sehr glücklich. Ich habe nicht die Ambition zu einer Late Night", sagt er. "Ich bin mir auch nicht sicher, ob das eine gute Lösung wäre, denn ich bin kein besonders guter Mann für den Stand-up-Teil", fügt er hinzu.

Für eine Umsetzung fehlen letztlich die Ambitionen: Oliver Welke will keine Late-Night-Show übernehmen.

(Foto: dpa)

Grabosch erklärt dann auch, was zeitlich nötig wäre. Ein gutes halbes Jahr bräuchte eine solche Show mindestens, damit sich die Zuschauer an das Angebot gewöhnen könnten. Fernsehen will schließlich auch gelernt sein. Eine gute Late-Night-Show lebt vom Ritual, von der Tatsache, dass sie immer da ist, jeden Abend, bevor man zu Bett geht. Das schließt den Vorteil ein, dass eine maue Vorstellung am nächsten Tag schon überdeckt wird von einem Glanzstück. In Erinnerung bleiben vor allem die großartigen Momente.

So gut wie Harald Schmidts Wirken im Nachhinein eingeschätzt wird, war er wahrscheinlich nie. "Der war auch schon mal besser", lautete ein Standardecho, das den Satiriker fast von Anfang an begleitete.

Auch das gehört zum Genre. Dass Menschen sich abarbeiten möchten an einem Künstler, dass sie ihn demonstrativ für sein Tun verachten möchten. Sie möchten das Angebot haben, aber sie möchten es nicht nutzen müssen. Sie möchten es sogar ganz explizit und ostentativ nicht nutzen.

"Viele schalten das Fernsehen nur ein, um mal wieder richtig zu hassen", hat Harald Schmidt selbst mal gesagt.