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Neue Raab-Show "Täglich frisch geröstet":Selbstbespiegelung in der Poebene

Täglich frisch geröstet

Der "Gladiator"- und "Hai-Alarm auf Mallorca"-Darsteller Ralf Moeller probiert sich als erster Late-Night-Moderator für die Show "Täglich frisch geröstet".

(Foto: Willi Weber/TV Now)

Warum sollte Ralf Moeller eine Late-Night-Show moderieren? Man weiß es auch nach der ersten Folge von "Täglich frisch geröstet" nicht.

Von Marlene Knobloch

Nach 41 Minuten ist nichts geröstet, nicht mal Mikrowellen-lauwarm. Als am Ende der Höhepunkt da ist, nämlich die Punktevergabe für den Schauspieler Ralf Moeller, der sich in der ersten Folge von Täglich frisch geröstet als Late-Night-Moderator probieren musste, entlädt sich die ganze Spannung des Konzepts, die Bewertung seiner Performance als Moderator, das Bangen um gelungene Pointen, kurz die Fallhöhe der von Stefan Raab erdachten Show in einem gespielt pathetischen "Okay". Gladiator-Hüne Ralf Moeller breitet die Arme aus, imitiert die Showmaster-Geste elegant wie ein Scheibenwischer und wiederholt: "Okay! 12 Punkte, damit kann ich leben!" Natürlich kann er das. Und damit entlarvt sich die Sendung endgültig als sinnlos. Es gibt überhaupt keine Fallhöhe, dramaturgisch ziehen sich da 41 Minuten Poebene durch die deutsche Streaming-Landschaft.

"Seit 20 Jahren meckere ich über das Programm der anderen. Jetzt habe ich festgestellt: meckern nützt nichts, ich muss persönlich helfen", erklärte der geistige Schöpfer von Täglich frisch geröstet, Stefan Raab, vorab. Fünf Jahre nach der finalen Ausgabe von TV Total hat sich der Raabsche Kindskopf wieder ein Konzept ausgedacht, das erstmal ein mildes, erwachsenes Kopfschütteln provoziert: In acht Folgen moderiert immer ein anderer Amateur eine (Achtung, Begriff irreführend) Late-Night-Show. Dazu kommt eine neue Rolle, der sogenannte "Roaster", in der ersten Folge ist das der Komiker Olaf Schubert. Der soll den sich am Genre versuchenden Host "grillen", ihn also, so erklärt es TV Now nochmal in der Pressemitteilung, "witzig beleidigen" für seine Versuche als Host. Das Prinzip des humorvollen öffentlichen "Roastings", dem bespötteln und beleidigen von Persönlichkeiten, hat vor allem in den USA eine lange Tradition und wurde mit der "Dean Martin Show" Mitte der 70er richtig populär.

Täglich frisch geröstet

Der Komiker Olaf Schubert vergibt 12 Punkte an Ralf Moeller für seine Performance als Late-Night-Host.

(Foto: Willi Weber/TV Now)

Und so quälen sich Moderator Ralf Moeller, "Roaster" Olaf Schubert und Zuschauer durch müdes Stand-Up, in denen sich Moeller als sagenhaftes Late-Night-Talent grinsend selbst bespiegelt, bis zu wirklich schnarchenden Scherzen: Moeller will das Trumpsche "Stop the count!" rufen, wenn demnächst das Finanzamt seine Steuern berechnet. Retten kann das auch der Zweit-Pointenversuch von Schubert nicht: "Für Steuern braucht man aber Einnahmen." Das Scheitern des Moderators war immerhin noch kalkuliert in Raabs Planspiel. Dass aber auch der "Roaster" keine witzige Bewertung für das Trauerspiel findet, macht die Situation fatal banal. Denn warum nochmal soll der Hai-Alarm auf Mallorca-Star Ralf Moeller eine Late-Night-Show moderieren? Und warum soll man ihn für sein absehbares Scheitern "roasten"? Nach der ersten Folge schüttelt man ohne Milde und Verständnis den Kopf über die Showidee.

Zigarre rauchende Bodybuilder-Egos

Das alles macht die breitbeinige Lust an der eigenen Inkompetenz nicht besser. Der Größenwahn beginnt mit der Versicherung, dass Stefan Raab (Subtext: Ja - der Stefan Raab) wirklich in der Regie sitzt. Und gipfelt in einem Zigarre rauchenden und Rum trinkenden Ralf Moeller, der - kaum abgefedert vom schmächtigen Olaf Schubert - mit Bodybuilder-Ego über sich selbst spricht, in dem falschen Glauben, ihn schütze die magische zweite Ebene der Komik. Aber wo keine Komik, da keine zweite Ebene.

Humoristisch flacher greift da nur noch die Kategorie "Burdeckipedia", bei der die Dschungelkönigin Evelyn Burdecki als blondes Dummchen mit viel Ausschnitt und wenig Durchblick erklären soll, was Sankt Martin ist und das Ablaufdatum von Süßigkeiten als "Abfalldatum" deklariert. Dummheit als Unterhaltung also. Nichts neues für RTL, für die Gattung "Late-Night-Show" schon bedauernswerter.

Aber damit ist immerhin eine Frau untergebracht. Mit Ausnahme von Nazan Eckes bleibt sie das laut Ankündigung neben Ralf Moeller, Olaf Schubert, Reiner Calmund, Michael Mittermeier, Jorge Gonzales, Kai Pflaume, Torsten Sträter und Mario Basler auch erstmal. Aber vielleicht muss man das diesmal mit der Parität nicht so genau nehmen, frau muss ja nicht bei jedem Quatsch mitmischen.

© SZ
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