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TV-Debatte im US-Wahlkampf:Die Siegerin

NBC-Moderatorin Kristen Welker, 44, während der TV-Debatte in Nashville.

(Foto: Jim Bourg/AFP)

Donald Trump hatte NBC-Moderatorin Kristen Welker vor der TV-Debatte noch verunglimpft. Ihr konzentrierter und straffer Auftritt lässt die Kritiker verstummen.

Von Thomas Hummel

Donald Trump hatte sogar ein Lob übrig für Kristen Welker. "Übrigens, bisher respektiere ich die Art und Weise sehr, wie Sie die Situation meistern, muss ich sagen", erklärte der Präsident live auf der Bühne beim zweiten TV-Duell zwischen sich und Herausforderer Joe Biden. Die Überraschung dürfte auch bei Welker groß gewesen sein. Schließlich hatte Trump die Moderatorin des Senders NBC in den Tagen zuvor schwer unter Druck gesetzt.

Welker war von der TV-Duell-Kommission als Moderatorin der zweiten Debatte am Donnerstagabend in Nashville, Tennessee, ernannt worden. Nachdem Trump und Biden bei ihrem ersten Aufeinandertreffen vor drei Wochen eher verbal übereinander hergefallen waren als zu diskutieren, erwartete man auch diesmal eine schwierige Aufgabe für die 44-Jährige. Das Trump-Lager hatte versucht, Welker zu diskreditieren. Der Präsident nannte sie noch am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Arizona eine "radikale Demokratin". Dazu twitterte er, Welker sei "schon immer schrecklich & unfair gewesen", wie die meisten "Fake-News-Reporter". Nach der mehr als 90-minütigen Debatte musste allerdings nicht nur Trump anerkennen, dass Welkers Auftritt extrem professionell war.

Chris Wallace war "zuallererst eifersüchtig"

Auch die amerikanische Journalisten-Blase auf Twitter war voll des Lobes für Welker. Ein Kritiker der Washington Post bescheinigte ihr eine ausgezeichnete Präsenz auf der Bühne und lobte sie für ihre präzisen, kurzen Fragen. Die New York Times nannte ihre Vorstellung souverän und knackig. Einige Kommentatoren erhoben Kristen Welker gar zur Siegerin der Debatte. Und selbst beim Sender Fox News, dem erklärten Gegenspieler der linksliberalen Medien wie NBC, fielen anerkennende Worte. Chris Wallace, Moderator der ersten turbulenten Debatte, sagte: "Ich bin zuallererst eifersüchtig."

Wallace spielte darauf an, dass er es Ende September ungleich schwerer hatte. Nachdem vor allem Donald Trump damals seinem Gegenüber ständig ins Wort gefallen und es zu fast rüpelhaften Szenen gekommen war, konnten die Kandidaten nun nach jeder Frage Welkers zwei Minuten antworten, ohne dass das Gegenüber dazwischenfunken durfte. Wer sich daran nicht hielt, dem konnte das Mikrofon abgedreht werden. Zudem hatte die harsche Kritik am ersten Duell Donald Trump offensichtlich dazu bewogen, dieses Mal gesitteter aufzutreten. Das gab Welker die Möglichkeit, ihren Plan umzusetzen.

Bei schwammigen, nebligen Aussagen, forderte die 44-Jährige Konkretisierungen. Im ersten Themenabschnitt zum Coronavirus kündigte Trump etwa wie so oft an, es werde in den kommenden Wochen einen Impfstoff geben. Welker hakte nach, ob der Präsident das garantieren könne, woraufhin Trump mit "Nein" antworten musste.

In diesem Stil ging es weiter und dabei schonte sie auch Biden nicht. Unter anderem sprach Welker den Kandidaten der Demokraten auf die mutmaßliche Ukraine-Affäre seines Sohnes Hunter an. Der Vorwurf lautet, Joe Biden habe als damaliger Vizepräsident dem Sohn zu lukrativen Posten verholfen und auch selbst finanziell profitiert. Die Vorwürfe sind bislang nicht bewiesen.

Eine Moderatorin für den Dialog

Kristen Welker arbeitet seit 2011 beim Sender NBC als Reporterin im Weißen Haus und spielte schon im Wahlkampf 2016 eine sichtbare Rolle in der Berichterstattung. Im Januar dieses Jahres wurde sie Co-Moderatorin der Nachrichtensendung "Weekend Today" - und steht dort für Dialog. Ihr Vater ist weiß, die Mutter schwarz. Im Juni sagte sie der Glamour: Als Kind von Eltern zweier unterschiedlicher Hautfarben habe die Idee sie inspiriert, Menschen verschiedener Ethnizitäten und Hintergründe zu helfen, besser zu kommunizieren. Deshalb sei sie Journalistin geworden.

Nach den Demonstrationen wegen des Todes des Schwarzen George Floyd bei einer Festnahme durch einen weißen Polizisten sei es nun wichtiger denn je, dass die Stimmen aller gehört würden. "Die gewählten Repräsentanten vom Weißen Haus bis zu den Rathäusern sollen für ihre Worte und Taten oder deren Fehlen zur Rechenschaft gezogen werden."

© SZ/tmh/biaz
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