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Krisengespräch wegen schlechter Quoten:ZDF will mit Lanz über Zukunft von "Wetten, dass..?" reden

'Wetten, dass..?' - Markus Lanz

Markus Lanz in der Kritik: Einem Spiegel-Bericht zufolge will das ZDF im Sommer über die Zukunft von "Wetten, dass..?" entscheiden.

(Foto: dpa)

Es läuft gerade nicht gut für Markus Lanz: Erst kürzlich haben sich 230.000 Menschen in einer Online-Petition gegen ihn verschworen. Jetzt heißt es in einem Medienbericht, das ZDF will im Sommer beraten, ob "Wetten, dass..?" überhaupt noch eine Zukunft hat. Der Sender dementiert sofort.

Von Oliver Klasen

Krisensitzungen beruft man ein, weil der Euro in Gefahr ist, weil die große Koalition vor dem Ende steht, vielleicht noch, weil der HSV seit acht Spielen nicht mehr gewonnen hat und vom Abstieg bedroht ist.

Das ZDF, wo die Lage offenbar ähnlich ernst ist, hat jetzt nach Informationen des Spiegel auch eine Art Krisensitzung einberufen - wegen Markus Lanz.

Jener Markus Lanz ist vermutlich der wichtigste Mitarbeiter des ZDF. Er moderiert nicht nur die Samstagabend-Show "Wetten, dass..?", sondern dreimal pro Woche auch eine Talksendung, die seinen Namen trägt, außerdem Jahresrückblicke, Galas und alles, was sonst so anfällt im Sender. Lanz ist eine Identifikationsfigur für das ZDF, wie es früher Johannes B. Kerner und noch früher Thomas Gottschalk gewesen sind.

Vielleicht ist diese herausgehobene Position der Grund dafür, warum im Fall Lanz alles etwas größer ausfällt. Erst vor ein paar Wochen haben sich, auch wenn man das bei Online-Petionen nicht immer genau weiß, wohl 230.000 reale Menschen gegen ihn formiert. Sie starteten eine diese Petition im Netz und forderten Lanz' Entlassung, weil er ihrer Meinung nach die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht in einem Interview zu oft unterbrochen und rüde behandelt habe.

"Vieles ist möglich"

ZDF-Intendant Thomas Bellut ist der Forderung aus den unendlichen Weiten des Internets dann nicht nachgekommen, Lanz behielt seinen Job. Doch jetzt, so heißt es im Spiegel, wollen die ZDF-Hierarchen reden, wegen "Wetten, dass..?".

"Vieles ist möglich", heißt es wolkig formuliert in Senderkreisen dazu. Mehrere Szenarien würden derzeit durchgespielt. Sogar die Verschiebung vom Samstag auf einen Wochentag sei denkbar. Ob Markus Lanz für eine solche Neuaufstellung der Show offen sei, hänge dann am Moderator selbst.

Spätestens im Sommer werde sich die Senderleitung mit Lanz zusammensetzen, schreibt der Spiegel weiter. Die nächsten zwei Shows sollten noch wie geplant stattfinden, dann werde man entscheiden, wie es weitergeht.

Allmählich dämmert den Programmverantwortlichen, dass die Zeit der großen, klassischen Samstagabendshow vorbei sein könnte. In der Tat sind die Quoten von "Wetten, dass..?" mies, jedenfalls gemessen am eigenen Anspruch. Gestartet war Lanz 2012 mit 13,6 Millionen Zuschauern. Die vergangene Sendung hatte noch 6,3 Millionen, zwei Millionen weniger als das RTL-Dschungelcamp. Eine Umfrage der Bild am Sonntag hat Ende Januar ergeben, dass eine Mehrheit von 52 Prozent der Deutschen glauben, es gäbe für "Wetten, dass..?" einen besseren Moderator als Markus Lanz.

Die Kritiker in den Medien hauen ohnehin regelmäßig auf Lanz ein, seit er die Samstagabend-Sendung übernommen hat. Er wirke verkrampft und ihm fehle die Leichtigkeit, mit der Thomas Gottschalk immer alles souverän wegmoderiert hat, das ist noch die milde Version der Kritik.

Inzwischen hat ein ZDF-Sprecher den Spiegel-Bericht dementiert: "An der Meldung ist nichts dran. Die Show läuft weiter wie bisher, die Hallen sind bis 2015 eingeplant."

Möglicherweise ist der Sender also gewillt, die Krise ein wenig länger durchzustehen.

© Süddeutsche.de/sana/lala

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