Kontroverse zu Artikel "Zeit" gerät nach Pro-und-Contra zur Seenotrettung in die Kritik

  • Die Wochenzeitung Die Zeit wird für zwei Artikel zur Seenotrettung von Geflüchteten in ihrer aktuellen Ausgabe scharf kritisiert.
  • In der digitalen Ausgabe wurde die Überschrift, einer der Anlässe für diese Kritik, geändert.
  • Laut dem Vize-Chefredakteur der Zeit war die Änderung jedoch nicht politisch begründet.
Von David Denk

Wie die "Zeit" in ihrer aktuellen Printausgabe über die Rettung von Flüchtlingen in Seenot diskutiert.

(Foto: Jakob Berr)

Mit einem in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlichten Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung hat die Zeit massive Kritik ausgelöst. Diese entzündete sich an der in der Überschrift formulierten Frage "Oder soll man es lassen?" und an der Position von Mariam Lau. Die Korrespondentin im Berliner Hauptstadtbüro der Hamburger Wochenzeitung problematisierte in ihrem Text die Rolle der privaten Helfer in der Flüchtlingskrise, die "längst Teil des Geschäftsmodells der Schlepper" seien.

Das Ertrinken im Mittelmeer nennt sie "ein Problem aus der Hölle", betrachtet es allerdings als "politisches Problem, zu dessen Lösung die private Seenotrettung null und nichts beizutragen hat". Zu den zahlreichen Kritikern gehörte etwa SPD-Vize Ralf Stegner, der twitterte: "Beängstigender Titel der Zeit. Als ob es wirklich eine offene Frage wäre, Seenotrettung ja oder nein. Seenotrettung ist humanitäre Pflicht. Alles anderenorts Barbarei!"

Als die Zeit am Donnerstagmittag in ihrer Digitalausgabe die Überschrift in "Gut? Oder nur gut gemeint?" änderte, sahen viele darin eine Reaktion auf die Kritik, manche gar das Eingeständnis eines Fehlers. Doch laut Zeit-Vize und -Politikchef Bernd Ulrich handelt es sich dabei um "eine autonome Entscheidung der App-Redaktion, die aus technischen Gründen einen anderen Titel ausgewählt hat". Dem lägen "keine politischen Motive" zugrunde. Außerdem sei das Hauptargument der Kritiker doch gewesen, "dass wir die Position, privat nicht zu helfen, für möglich und diskussionswürdig halten", so Ulrich, "und dazu stehe ich".