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Konflikt beim "Spiegel":Intrigen, Eifersucht, Missgunst

31. Medientage München

Barbara Hans bei den Medientagen München im Jahr 2017.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

In der Chefredaktion des "Spiegel" soll es krachen - offenbar so sehr, dass Barbara Hans das Haus verlassen soll. Ein Teil der Redaktion solidarisiert sich in einem Brief mit ihr.

Von Angelika Slavik

Der Spiegel hat dem geneigten Publikum einiges zu bieten. Das gilt für die Geschichten im Heft, aber auch für die Geschichten, die regelmäßig rund um die Redaktion kolportiert werden. Von Intrigen, Eifersucht und Missgunst ist dieses Mal die Rede - in der Chefredaktion des angesehenen Magazins soll es ordentlich krachen.

Der Spiegel wird offiziell von drei Chefredakteuren geführt: Steffen Klusmann, Clemens Höges und Barbara Hans. Zwischen Hans und ihren Kollegen soll es atmosphärische Störungen geben - so schlimm, dass Hans offenbar das Haus verlassen soll. Das veranlasste nun einen Teil der Redaktion, sich in einem Brief an die Chefredaktion zu wenden: Man sei "erschüttert, entsetzt, traurig und wütend", heißt es darin - über den Umgang mit der Chefredakteurin, aber auch über "das dröhnende Schweigen", mit dem die Spiegel-Spitze auf die Berichte über das Zerwürfnis reagiere.

Man könne doch nicht "ernsthaft" die Darstellung stehen lassen, dass vor allem die Elternzeit von Barbara Hans Auslöser für die aktuelle Krise sei. Zudem stelle sich die Frage, "warum das Haus gefühlt alle zwei Jahre einen Prozess der Selbstzerfleischung benötige", um strategisch wichtige Veränderungen durchzuführen.

Ein Kulturkonflikt, lautet die eine Deutung. Die andere: ein "Frauen-Männer-Ding"

Tatsächlich lief der Fusionsprozess von Print- und Online-Redaktion schon vor ein paar Jahren nicht ohne öffentliches Drama. Am Ende einigte man sich auf eine Teamlösung an der Spitze: Klusmann, Hans und Ullrich Fichtner sollten das Magazin von Januar 2019 an führen. Fichtner trat diesen Job schließlich nicht an: Als Ende 2018 die Fälschungen des damaligen Reporters Claas Relotius aufflogen, brachte das auch Fichtner als einen von Relotius' Förderern unter Druck. Statt ihm rückte Höges in die Chefredaktion.

Hans ging nahezu gleichzeitig mit ihrer Berufung in Elternzeit, von Ende 2019 an kehrte sie schrittweise zurück, seit dem vergangenen Sommer soll sie wieder voll im Einsatz sein. Seither, so heißt es, habe sie ihre Rolle in der Chefredaktion nicht gefunden - oder man habe sie sie nicht finden lassen, dazu gibt es unterschiedliche Interpretationen.

Ebenso wie zur Ursache des Konflikts: Hans ist die einzige mit Digital-Background im Trio, da drängt sich auf, das für einen Kulturkonflikt zu halten. Es gibt aber auch die Deutung, das Ganze sei "ein Frauen-Männer-Ding": Für die Elternzeit hätten die Chefredaktionskollegen ebenso wenig Verständnis gehabt wie für Hans' Vorstellungen von Führung. Anfragen dazu blieben unbeantwortet. Am Montag aber will sich die Chefredaktion in der Konferenz erklären - vermutlich dann schon in verkleinerter Besetzung.

© SZ/ebri
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