Süddeutsche Zeitung

Konflikt beim "Spiegel":Büchner bietet Kompromiss an

Der künftige "Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner besteht weiterhin darauf, "Bild"-Mann Nikolaus Blome zu dem Nachrichtenmagazin zu holen. Er bietet den Ressortleitern jedoch einen Kompromiss an.

Das Ringen um Frieden im Hamburger Spiegel-Verlag geht in die nächste Runde. Nachdem zu Beginn der Woche sämtliche Ressortleiter des Nachrichtenmagazins gegen die Ernennung des Bild-Journalisten Nikolaus Blome zum stellvertretenden Chefredakteur gestimmt hatten, hat der künftige Chefredakteur Wolfgang Büchner den Mitarbeitern nun einen Kompromiss angeboten.

Demnach wird Büchner Blome trotz aller Vorbehalte im Verlag zum Spiegel holen, allerdings nicht als stellvertretenden Chefredakteur. Wie das Branchenportal Meedia berichtete, wird Blome stattdessen künftig den Titel "Mitglied der Chefredaktion" tragen und darüber hinaus Leiter des Hauptstadtbüros. Dieses Angebot hat Büchner den Ressortleitern mitgeteilt, wie Spiegel-Sprecherin Anja zum Hingst bestätigte.

Damit möchte Büchner vermutlich einem wesentlichen internen Kritikpunkt an der Nominierung Blomes begegnen, nämlich der Sorge unter Spiegel-Mitarbeitern, Blome könne das Gesicht des Magazins als Blattmacher und weisungsbefugter Stellvertreter verändern.

Für Mittwoch hatte die Mitarbeiter KG des Spiegel-Verlags ihre stillen Gesellschafter unternehmensintern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Am Nachmittag meldete die Nachrichtenagentur dpa, die Mitarbeiter KG wolle sich nun nicht mehr gegen den Wechsel Blomes stellen.

Franziska Augstein, eine der vier Erben des verstorbenen Spiegel-Gründers Rudolf Augstein und Mitarbeiterin der Süddeutschen Zeitung, wiederholte hingegen in einer Erklärung ihre Kritik an der Personalie und bezeichnete die Entscheidung der Gesellschafter, an Blome festzuhalten, als "Katastrophe". Ihr Vater Rudolf Augstein "hätte diese Personalie niemals durchgehen lassen".

Büchner noch nicht offiziell im Dienst

Der bisherige dpa-Chefredakteur Büchner übernimmt seine neue Aufgabe als Chefredakteur von Spiegel und Spiegel Online am 1. September. Seine Stellvertreter sind Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry, die die Redaktion seit April vorübergehend führten. Rüdiger Ditz verantwortet das Nachrichtenangebot im Internet.

Am Nachrichtenmagazin Der Spiegel ist seit 2004 die Mitarbeiter KG mit 50,5 Prozent beteiligt, der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr mit 25,5 Prozent und Erben des Verlagsgründers Rudolf Augstein mit 24 Prozent. Sie werden von dem Verleger der linken Wochenzeitung Der Freitag, Jakob Augstein, vertreten.

Auch jenseits der Personaldiskussion sorgt der Verlag aktuell für Schlagzeilen: Am Dienstag hatte die Berliner Zeitung gemeldet, dass die Produktionsfirma Spiegel TV den Standort Berlin wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive schließen werde.

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