Kolumne "Abspann"DSDS-Juror Silbereisen

Lesezeit: 1 Min.

Er folgt auf Xavier Naidoo. Ein Blick auf Silbereisens Karriere zeigt: Nur logisch!

Von Harald Hordych

Florian Silbereisen wird Juror bei Deutschland sucht den Superstar. Kaum war die Meldung raus, musste sich der Chef des TV-Wettbewerbs öffentlich rechtfertigen. Auf Instagram verteidigte Dieter Bohlen die Entscheidung gegen die im Netz überall lauernden humorlosen Witzbolde, die sich mit Bemerkungen wie "Deutschland sucht den Supervolksmusiker" oder "Gab's denn keinen anderen?" profilierten. Besonders genervt war Bohlen von der Frage, warum nicht Helene Fischer für den wegen Rassismus-Vorwürfen von RTL rausgeschmissenen Xavier Naidoo nachgerückt war. Bohlen schrieb daraufhin ein bisschen einfallslos vor Wut: "Warum denn nicht der Kaiser von China?" Dann aber beurteilte er seine eigene Entscheidung mit den abschließenden Worten: "Ich glaube, das wird gut."

Das ist für ein Alphatier von dieser Größe eine erstaunlich halbherzige Formulierung. "Ich glaube" ist nicht die Floskel der Sieger, sondern die Ouvertüre der Mutlosen. Dabei hat der Volksmusiker Florian Silbereisen mittlerweile eine Vita aufzuweisen, die ihn für eine Aufgabe wie Jury-Mitglied bei DSDS geradezu prädestiniert. DSDS klingt ja so mächtig wie ADAC. Juroren sind Menschen, die über andere Urteile fällen, die Kandidaten hängen von ihnen ab. Im angelsächsischen Justizsystem entscheidet die Jury über die Schuld des Angeklagten. Als hätte da irgendjemand im Fernseholymp große Pläne mit Florian Silbereisen, bekam der Entertainer vor etwas mehr als einem Jahr die Leitung eines riesigen Kreuzfahrtschiffes anvertraut. Wer Silbereisen in der strahlend weißen Uniform und seiner Riesenmütze aufs Meer blicken sieht, wie er mit ruhiger Stimme das Traumschiff in Richtung ewiger Sonnenuntergang lenkt, der ahnt, dass da ein Juror von großer Steuerkraft heranwächst. Und dass dieser Karriereschritt ihn zwangsläufig in die weit geöffneten Arme von Dieter Bohlen führen musste. Fortan wird da nicht einfach irgendein Schlagerfuzzi sein Urteil abgeben, sondern der vor sich hin summende Kapitän eines gewaltigen Passagierschiffs.

© SZ vom 21.03.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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