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Kölner Tatort: "Freddy tanzt":Alles etwas dicke ausgemalt

Tatort Köln, "Freddy tanzt"

Titel-Versprechen gehalten: Kommissar Freddy Schenk tanzt dann tatsächlich im gleichnamigen Tatort.

(Foto: WDR/Colonia Media GmbH/Martin Va)

Die Menschen in der anonymen Welt kümmern sich nicht mehr um einander. Das ist die zeigerfingerwedelnde Aussage des Kölner Tatorts um die braven Herren Schenk und Ballauf. Fremdscham-Attacken inklusive.

Von Holger Gertz

Ein Toter liegt am Rheinufer, im Flur eines Mietshauses finden sich Blutspuren, also ist zu klären, wie sehr die Bewohner in die Sache verstrickt sind. Ein Haus als Mikrokosmos: Eine Bewohnerin hat sich in sich selbst eingesperrt. Eine Bewohnerin malt Bilder und verschwindet immer nachts. Ein Esoterik-Paar vertilgt ein Gericht aus Tofu, Mohn und Gerste. Ein Eishockeytrainer denkt über das Eishockeytraining nach, und ein bisschen auch über das Leben.

Fenster werden geöffnet oder bleiben verschlossen, Klingelzeichen werden überhört, Ohren lauschen an Türen, Gardinen rascheln. Wohnungen können Höhlen oder Höllen sein, während es im Flur nach Bohnerwachs und Spießigkeit riecht, wie schon Udo Jürgens wusste, der sich bei fremden Menschen und in fremden Häusern auskannte.

"Freddy tanzt" vom WDR ist eine Mörderjagd in Haus Nummer 77 a, also in überschaubarem Gelände. Das Buch stammt von Jürgen Werner, dessen Dortmunder Tatorte zuletzt zu den stärksten Folgen gehörten. Dort steht ihm der fabelhaft gebeutelte Kommissar Faber zur Verfügung, der noch kaputter ist als die Welt, die ihn umgibt.

"Live fast, love hard, die young", sagt der Banker

In Köln allerdings amtieren seit zweihundert Jahren die braven Herren Schenk und Ballauf, die immer so zeigefingerwedelnd darauf bedacht sind, den sozialen Anspruch ihrer Abenteuer klarzumachen. Hier also: Die Menschen in der anonymen Welt kümmern sich nicht mehr umeinander. Während Faber durchtrieben genug ist, zur Not auch mal mit Nazis zu fraternisieren, bleibt Ballauf der statische Moralist: "Es hätte nur einen einzigen Menschen gebraucht, der bereit gewesen wäre zu helfen."

Kollege Schenk dagegen maunzt im Stimmklang eines alten Katers einer Bewohnerin Komplimente der ranzigen und ranzigsten Preisklasse rüber: "Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe - fast nichts."

Alles etwas dicke ausgemalt, im Haus 77 a und nebenan. Karikaturen von Jung-Bankern treten aus den Kulissen, sie sagen: "Live fast, love hard, die young." Sie sagen, dass ihnen der Aufriss der vergangenen Nacht "einen eins-a-Blowjob" beschert habe. Sie stecken sich gegenseitig zusammengerollte Geldscheine hinter die Ohren.

Ein solider, aber auch sehr berechenbarer Tatort, der gelegentlich mit Fremdscham-Attacken überrascht.

ARD, Sonntag 20.15 Uhr.

© SZ vom 31.01.2015/jobr
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