Kölner Tatort "Fette Hunde" Fremd in allen Aggregatzuständen

Eigentlich waren die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk bereits out, doch jetzt liefern sie schon die zweite bemerkenswerte Episode in diesem Jahr. Der WDR-Tatort studiert das Milieu von Menschen, die ihre Hunde "Magic" nennen - dabei aber in ganz und gar magiefreien Zonen leben.

Von Holger Gertz

Eine gute Geschichte ist so eine, bei der schon der Anfang die Tonart vorgibt. Dieser Tatort beginnt mit einer Kamerafahrt, man sieht Frauengesichter hinter Glas, sie sind voller Freude, voller Spannung, voller Angst. Die Frauen warten auf ihre Männer: Soldaten, die aus Afghanistan zurückkommen. Die Frauen warten, ohne genau zu wissen, was sie erwartet. So bedrohlich schwebend fängt diese Geschichte an.

Schenk (links) und Ballauf (rechts) bekommen es im Kölner Tatort "Fette Hunde" mit Drogenkurieren und Kriegsheimkehrern zu tun.

(Foto: WDR)

Regisseur Andreas Kleinert studiert in diesem bemerkenswerten WDR-Tatort das Milieu von Menschen, die ihre Hunde "Magic" nennen, aber in ganz und gar magiefreien Zonen miteinander leben müssen. Er beschreibt, wie man sich verliert, und wie man vergeblich versucht, sich wiederzufinden - sich selbst und alle anderen.

Die Geschichte handelt einerseits von Drogenkurieren, andererseits von Kriegsheimkehrern, also vom Fremdsein in allen Aggregatzuständen. "Vor zwölf Stunden warst du noch in Kandahar" sagt Kommissar Ballauf zu Sebastian Brandt, einem Übersetzer, der nach einem halben Jahr Dienst in Afghanistan wieder in Köln angekommen ist, ohne angekommen zu sein.

Er fürchtet sich vor dem ausgesprochen plüschigen Hund zuhause, er fürchtet sich vor seiner Frau, die im Badezimmer ihre Lippen bemalt, sich im Spiegel ansieht, in eine traurige Clownfratze schaut und gleich wieder alles Rot aus dem Gesicht wischt. Weil sie weiß: Der Trümmerhaufen von Mann, den sie aus Afghanistan zurückgekriegt hat, wird nicht halten können, was sie sich von ihm verspricht.

Die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk waren schon ziemlich out, man hatte sich an ihnen sattgesehen wie sonst nur an Bernd, dem Brot oder an Bill Cosby. Aber das hier ist schon ihre zweite sehenswerte Episode in diesem Jahr. Früher sind die beiden am Ende immer an dieser albernen Wustbude gestrandet, diesmal bleiben alle zweifelnd zurück. Und das traurige Gesicht von Anna Loos ist noch einmal hinter Glas zu sehen. Schön, wenn eine Geschichte, die gut anfängt, auch gut aufhören darf.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.