Klaas-Statue in Berlin:"Ihm fehlt doch was"

Joko setzt Klaas ein Denkmal am Berliner Hauptbahnhof

"Ihm fehlt doch was" - die überlebensgroße Statue von Klaas Heufer-Umlauf am Hauptbahnhof.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Was löst die Statue von Klaas Heufer-Umlauf vor dem Berliner Hauptbahnhof aus? Was ist vielleicht sogar witzig? Ein Besuch.

Von Sonja Zekri

Man kann zu der geschäftstüchtigen Welpenhaftigkeit von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt stehen wie man will, aber das Denkmal, das Joko seinem Kollegen Klaas in Berlin gewidmet hat, wird angenommen. Auf einem zugigen Treppenabsatz des Hauptbahnhofs steht seit Mittwoch der zwei Meter große Bronze-Klaas und wird umlagert. Besucher greifen in das Loch in Herzhöhe der Statue, wo Kaugummi und Kippen liegen, hängen ihren Mantel an den Haken am Rücken. Fotografieren.

Am Mittwochabend hatte Winterscheidt in einer Liveübertragung vom Hauptbahnhof seinen Partner mit der Enthüllung des Denkmals inklusive Loch, Kleiderhaken und Flaschenöffner in Hüfthöhe überrascht. "Ich finde, nach rund 15 gemeinsamen Jahren ist es einfach mal an der Zeit, Danke zu sagen. Danke, Klaas. Danke, dass es dich gibt", sagte Winterscheidt. Die Kapelle spielte Edward Elgars "Pomp and Circumstance". Umlauf saß auf einem goldenen Sessel und schaute irgendwas zwischen gerührt und schockiert. Winterscheidt heulte vor Lachen. Danach war auf Twitter viel von Liebe die Rede. Natürlich nur ironisch.

"Und dann würde ich ihn bei mir im Garten aufstellen"

Was ist daran mehr als eine Kinderüberraschung? Was ist vielleicht sogar witzig? Zwei Schüler erklären mit jugendlicher Nachsicht, worin ihrer Ansicht nach das Geheimnis besteht: dass Joko und Klaas gute Stimmung schaffen "ohne zu viel Anspruch", dass viele ihrer Auftritte im Internet zu sehen seien, was ihre Generation anspreche, "denn keiner von uns schaut ja noch Fernsehen".

Martin Scheibner, 19, macht eine Ausbildung bei der Bahn, und mehr Fan als er kann man kaum sein. Joko und Klaas haben seine Jugend geprägt, jeden Tag freute er sich auf neue Folgen. Die Bahn hat erklärt, die Statue könne erst einmal stehen bleiben, aber schon gibt es Gerüchte, dass sie versteigert werden soll, und Scheibner würde sich das einiges kosten lassen. Bis 2500 Euro würde er mitgehen, "und dann würde ich ihn bei mir im Garten aufstellen".

Die Figur löst etwas aus, vielleicht liegt es am Ort, Auge in Auge mit dem Kanzleramt, vielleicht an der empathielosen Zeit. Sophie Kaufmann, 20, ist aus Dortmund zu einem Vorstellungsgespräch nach Berlin gekommen, und ihre Interpretation verrät die Anspannung, aber auch eine fast melancholische Achtsamkeit. Man kenne Klaas so ja gar nicht, so ernst wie er als Statue schaue, dazu im Anzug. Und dann das Loch in seinem Herzen: "Ihm fehlt doch was."

Eine Familie steigt die Stufen herauf, Vater, Mutter, Sohn. Die Frau hat ein Blatt Papier mitgebracht, darauf ist ein Herz gemalt. Der Vater sieht Joko und Klaas mehr als skeptisch, "Geschäftemacherei" sei das, aber als seine Frau das Papier über das Loch klebt und den durchlöcherten Klaas heilt, macht er widerspruchslos ein Foto. Beides, das Blatt und das Foto, sind versöhnliche Gesten, sentimental vielleicht, aber auch rührend. Ihren Namen möchten die Eltern trotzdem nicht nennen: "Wir arbeiten im Sicherheitsbereich."

© SZ/cag
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