Kiosk-Rundschau:Im Playboy gibt's Pop-Kultur, in der Beef! Stripperinnen

Daneben liegt das Selbstoptimierungshandbuch Men's Health mit dem ehrlichen Slogan "Noch mehr Input für Ihr Leben", der durchaus als Entschuldigung interpretiert werden darf. Hinter der grellen Business Punk, die im Daumenkino wirkt wie eine sinnüberflutende japanische Comicserie, wartet eine alte Bekannte: die GQ, die zu kaufen man sich richtig bemühen muss, wird sie doch allerorten gratis verteilt. Durchgeblättert erinnert das ehrwürdige Heft an einen Flughafen - seinen eigentlichen Zweck vergisst man leicht im Glitzern und Leuchten der integrierten Warenwelt. Das Heft beantwortet die grundlegende Frage, ob sich der Leser bei der Lektüre lieber wegträumen (über das Leben der Geheimagenten) oder mit den Themen identifizieren soll (über das Leben mit Geheimratsecken), mit der Empfehlung zum Konsumeskapismus.

Der Playboy, die gute Haut. Ein einigermaßen seriöses Magazin, das sich rührend darum bemüht, den hart erkämpften unseriösen Ruf zu retten. Aber nicht einmal fünf nackte Frauen auf dem Cover der Ausgabe 9/16 können darüber hinwegtäuschen, dass im Heft interessante Interviews mit den Red Hot Chili Peppers, Charlie Sheen und den Beginnern stehen.

Das bleibt also hängen von der Rundschau, neben etlichen Kosmetikproben: Pop-Kultur im Playboy, während im Essensheft die Stripperinnen tanzen.

Die Zeiten, die Männer, die Hefte - da werden tatsächlich neue Wege eingeschlagen, die sich nicht allzu oft kreuzen. Auf eine Formel gebracht: Früher gingen echte Herren nur mit Widerwillen zum Arzt, um dann im Wartezimmer ganz selbstverständlich ein Männermagazin durchzublättern. Heute ist es andersherum.

Dem Zeit Magazin Mann fehlt das spezifisch Männliche

Auf die neue Marktlücke verweist nun die Zeit-Verlagsgruppe. Ihr neues Männermagazin ist erwartbar deluxe, nicht nur wegen der vielen Anzeigen (allein schon mal die ersten 15 Seiten), des hohen Preises (8,50 Euro) und der ordentlichen Auflage (60 000). Die Autoren und Texte sind gewohnt gut. Christoph Waltz wird von Peter Lindbergh fotografiert, Zeit-Allstars wie Moritz von Uslar, Bernd Ulrich und Giovanni di Lorenzo kommen zu Wort, alles rund und gediegen, für männliche Bildungsbürger mit Stilbewusstsein und dem dafür nötigen Einkommen. Keine Epiphanie, aber einwandfrei auf den ersten Blick. Und doch fühlt man sich ein wenig betrogen - dem Zeit Magazin Mann fehlt es weder an der Zeit noch am Magazin; was ein wenig fehlt (dem Leser, nicht den Anzeigenkunden), ist das spezifisch Männliche.

"Der Stil der Geschichten ist nicht anders als im Zeit Magazin. Die Mischung ist eine andere", gibt Redaktionsleiter Chaimowicz zu, der sich etwas schwertut, die explizite Fokussierung auf den männlichen Leser zu erklären. "Wir schreiben für Männer, die im Leben stehen, die sich eher die größeren Fragen stellen: Welche Entscheidungen treffe ich, um glücklicher zu werden? Dazu erzählen wir Geschichten von Männern, die Entscheidungen nur für sich getroffen haben, nicht für andere." Nun gut, den Wunsch nach Glück hegen sicher auch Frauen, und Entscheidungen treffen sie wahrscheinlich auch zuweilen.

Das Label "Mann" wird dem Heft eine hauptsächlich maskuline Leserschaft zuführen. Aber wenn sich Männerhefte einzig dadurch auszeichnen, dass sie hauptsächlich von Männern gelesen werden, dann gibt es davon bereits eine Menge - die Nachrichtenmagazine und Tageszeitungen. 2012 waren 63 Prozent der Spiegel-Leser männlich, 56 Prozent der Zeit-Leser und auch 59 Prozent der Leser der Süddeutschen Zeitung. Das Thema ist, wie die eingangs erwähnten Zeit-Autorinnen ganz richtig bemerkten, ein omnipräsentes. Insofern dürfte man sich bei der Erkundung des Männerjournalismus nicht bloß auf das so ausgewiesene Genre beschränken, sondern müsste den Journalismus im Ganzen betrachten.

Aber das ist eine andere Geschichte. Oder wie der Playboy auf seiner Witzeseite schreibt: "Wer im Glashaus sitzt, sollte im Keller bumsen."

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