Kinopremiere von "Kartoffelsalat" Ladung voller Blödsinn

Torge Oelrich alias Freshtorge (links) und Otto Waalkes schmeißen sich in Heide in Pose.

(Foto: dpa)

Der erste Kinofilm von Youtube-Star Freshtorge liefert vor allem Sparwitze. Trotzdem gefällt das Ulk-Projekt den Jugendlichen. Warum?

Von Thomas Hahn, Heide

"Torge!", rufen die Mädchen, und noch mal: "Toooorge!" Sie halten ihre Autogrammbücher über die Absperrung am Marktplatz von Heide und recken ihre Handys, um ein Bild zu erhaschen von ihrem Youtube-Star und neuen Filmhelden Torge Oelrich alias Freshtorge. "Otto!", rufen die Mädchen dagegen nicht - wahrscheinlich weil sie den lustigen alten Herrn gar nicht kennen, der sich beim Fest zur Premiere des ersten großen Youtuber-Kinofilms "Kartoffelsalat. Nicht Fragen!" neben Hauptdarsteller Freshtorge hat ablichten lassen.

Otto Waalkes, 66, Ende des vergangenen Jahrhunderts eine Art deutscher National-Blödelbarde, ist trotzdem bester Stimmung. Er lässt seinen Ostfriesen-Jodler hören und sagt allen, dass er stolz darauf sei, als Berater und Mit-Schauspieler dabei gewesen zu sein bei Torges Ulk-Projekt. "Hier geht es nicht um Geld", jubelt Waalkes, "sondern es geht um Ideen, und Ideen haben diese jungen Verrückten."

Ulk unter "freshaltefolie"

Am Sonntag bei der Filmpremiere von Heide, Kreis Dithmarschen, haben die Erwachsenen mal wieder was lernen können über die Sehgewohnheiten der jungen Generation. Tausende von Kindern und Jugendlichen sind da nämlich zusammengekommen, um Freshtorge, einen schlaksigen 26-Jährigen aus Wesselburen, mit Jubel und Applaus zu überschütten und damit einem Genre zu huldigen, das Nutzern herkömmlicher Medien noch nicht im vollen Umfang vertraut ist. Eine Generation junger Selbstdarsteller hat die Video-Plattform Youtube erobert und sich damit in die Herzen der Teenager gespielt. 1,4 Millionen Abonnenten hat allein Freshtorges Youtube-Kanal freshhaltefolie, auf dem er seinem Publikum Ladungen voller Blödsinn präsentiert. Youtube-Stars wie Freshtorge, Bibi, Dagi Bee oder die Lochis sind Idole der Gegenwart, die mit ihrem Witz und ihrem losen Mundwerk besser als andere Medien Ton und Themen der Jugend treffen.

So gesehen ist es eigentlich ganz logisch gewesen, dass die Film-Premiere von "Kartoffelsalat" Tausende Jugendliche ins Städtchen Heide lockte. Und dass die verschiedenen Vorstellungen am örtlichen Lichtblick-Filmtheater fast ausverkauft waren.

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Eine grob erzählte Zombie-Geschichte dient als Anlass für ein krachendes Sparwitz-Gewitter; die alten Otto-Waalkes-Filme sind dagegen fein komponiertes Regie-Kino. Aber die prominentesten Lieblinge aus dem Internet-Alltag sind eben zu sehen - das macht "Kartoffelsalat" zu etwas Besonderem für die Jugendlichen. Stichprobenartige Befragungen unter den Zeugen der Vormittagsvorstellung ergaben eine wohlwollende Stimmung. "Man kann die Youtuber wiedererkennen", sagt ein schmaler 16-Jähriger mit Zahnspange, "es gibt viele Anspielungen." Außerdem habe er über "die stumpfen Witze" gelacht.

"Youtuber sind sehr professionell"

Dass der Film nach den gängigen Kriterien nicht gerade preiswürdig ist, wissen Freshtorge und seine Fans selbst. Aber um Qualität geht es auch nicht. Es geht den Jugendlichen um Wahrhaftigkeit und Authentizität. Fernsehen sei für sie nicht sehr interessant, sagen drei Teenager-Mädchen vor dem Heider Kino. "Zu langweilig. Die Menschen schauspielern da so." Bei den Schminktipps von Bibi oder den Alltagserzählungen von Melina Sophie erkennen sie dagegen ganz normale Mädchen, die ganz normale Probleme haben und trotzdem gut drauf sind. "Sie sind offen, sie machen einem immer gute Laune."

Wie ehrlich es die entfernten Kumpels aus der Youtube-Welt wirklich meinen, ist nicht ganz raus. "Youtuber sind sehr professionell", sagt Michael David Pate, Regisseur von "Kartoffelsalat". Gegen einzelne gibt es schon den Vorwurf, sie würden ihre Tipps zu eng mit Firmen-Werbung verknüpfen. Aber faszinierend ist das Phänomen schon. Die Comedy-Karriere von Freshtorge zum Beispiel fing damit an, dass er "Youtube-Filme für Freunde hochgeladen" hat. Jetzt hat der gelernte Erzieher binnen eines Jahres einen abendfüllenden Ulk-Film auf die Leinwand gebracht. Und dabei ganz nebenbei die verschiedenen Generationen des Blödelns zusammengebracht. Otto Waalkes ist jedenfalls sehr zufrieden mit dem Quatsch, den die Jugend auf die Internet-Bühne bringt. Er ruft: "Ihr seid Klasse!"