Missbrauch:Schwere Vorwürfe gegen Kinderfotograf Lippoth

Lesezeit: 2 min

Missbrauch: Als freier Mode- und Werbefotograf hat Achim Lippoth Kinderaufnahmen für sämtliche große Zeitungen, Modezeitschriften und Firmen gemacht. (Symbolbild)

Als freier Mode- und Werbefotograf hat Achim Lippoth Kinderaufnahmen für sämtliche große Zeitungen, Modezeitschriften und Firmen gemacht. (Symbolbild)

(Foto: Miguel Palomo/imago images/Addictive Stock)

Achim Lippoth fotografierte für nahezu alle großen Medien und Modemarken. Seine Spezialität: Aufnahmen von Kindern. Über Jahrzehnte soll er minderjährige Models missbraucht haben.

Von Anna Ernst und Mareen Linnartz

Der bekannte Kinderfotograf Achim Lippoth soll mehreren seiner minderjährigen Models sexualisierte Gewalt angetan haben. In der kommenden Woche wird er sich vor dem Landgericht Köln verteidigen müssen, wie das Zeit-Magazin berichtet. Seit mehr als neun Monaten sitzt Lippoth bereits in Untersuchungshaft. Als freier Mode- und Werbefotograf besaß der 54-Jährige internationales Renommee, fotografierte für nahezu alle großen Medien wie die New York Times, die Vogue, den Spiegel, die Zeit und auch die Süddeutsche Zeitung sowie für zahlreiche Modemarken. Über Jahrzehnte soll er sich währenddessen an mehreren seiner jungen Models vergangen haben, wie die Zeit unter Berufung auf zahlreiche Zeugen berichtet. Mit den Müttern seiner zwei letzten Opfer soll Lippoth liiert gewesen sein.

Das Landgericht Köln bestätigt, dass am kommenden Dienstag ein Missbrauchsprozess beginnt, allerdings ohne den Namen des Angeklagten zu nennen. Die Anklage bezieht sich auf 17 Taten, die im Zeitraum von 1999 bis Juni 2021 begangen worden sein sollen: zwölf Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, vier Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie ein Fall des Besitzes von kinderpornografischem Material. Die Opfer sind sechs Jungen, die zur Tatzeit jeweils sieben bis 13 Jahre alt waren. "Der Kontakt zu den Jungs soll immer auch im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit als Fotograf zustande gekommen sein", sagt Jan Orth, Sprecher des Landgerichts.

Die Zeit berichtet, dass Lippoth die Vorwürfe im vergangenen Sommer noch bestritten habe; damals waren die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Auf SZ-Nachfrage lassen die Anwälte des Fotografen nun offen, ob er die Vorwürfe weiterhin bestreiten will. In einem Statement spricht die Verteidigung von "höchst unfairen und suggestiven Ermittlungen": "Die Vorgehensweise der Kriminalpolizei verrät viel über tief sitzende Vorurteile und einen unfassbar blinden Jagdeifer. Konstrukte von jahrzehntealtem Geschehen werden von entlassenen Mitarbeitern, angeblich engagierten Medienvertretern und in ihrer Zuneigung enttäuschten Frauen befeuert." Man sei "optimistisch, in einer objektiven Hauptverhandlung dem Gericht die wahren Tatsachen näherbringen zu können". Welche das seien, bleibt offen.

"Porsche, Monster-Studio, Business-Typ"

Eine Stylistin, die nicht mit Namen genannt werden möchte, hat gelegentlich mit Achim Lippoth zusammengearbeitet, aber dabei nie etwas erlebt, was sie irritiert habe, "ich hätte sonst etwas gesagt". Die Produktionen mit ihm habe sie immer als "sehr professionell" erlebt. In ihrer Erinnerung ist Lippoth ein Mann mit einem großen Ego - "Porsche, Monster-Studio, Business-Typ" - der aber in der Branche wegen seiner Bildsprache sehr anerkannt war. "Er war die Avantgarde", hat für internationale Magazine wie die Vogue Bambini fotografiert.

Kinder sind nicht leicht zu fotografieren - um gute Bilder zu bekommen, erzählt eine andere Stylistin, die früher bei Modeproduktionen anderer Fotografen dabei war, brauche man deswegen eine besonders angenehme, fast familiäre Atmosphäre im Studio, und deswegen werde vordergründig meist gut für die Kindermodels gesorgt: Spiele, Seifenblasen, Süßigkeiten, viel Aufmerksamkeit. Und doch hat die Stylistin, selbst Mutter eines Kindes, manches bei den Aufnahmen damals sehr irritiert, wie sie sagt: Sie habe erlebt, wie Kinder sich im Beisein der Erwachsenen umziehen mussten, und dann halb nackt vor Fremden standen. Wie eine Mutter in den USA ihrer Tochter zurief: "Make love to the camera!" Denn das gebe es eben auch oft: Eltern, die nicht schützen, sondern ein System stützen, in dem Kinder vor allem als schönes Motiv gesehen werden. Diese Eltern sagen eher nichts, wenn ein Fotograf auffallend lange eines seiner jungen Models auf dem Schoß haben will oder es eben - wie Lippoth es dem Zeit-Bericht zufolge gemacht haben soll - auf eine Spritztour mit dem Auto mitnimmt oder gar zum Übernachten einlädt. Sie sagen zum Teil auch deswegen nichts, weil ihre Kinder ihnen einen Lebensstandard ermöglichen, den sie sonst nicht hätten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB