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Kika-Affäre weitet sich aus:Zahlungsabläufe nicht hinterfragt

Da erklärten immer wieder Mitarbeiter, dass sie ungeprüft Rechnungen und Zahlungsanweisungen unterzeichnet hätten. Und der einstige Programmgeschäftsführer des Kika und heutige Fernsehdirektor des NDR, Frank Beckmann, verwahrte sich nachgerade dagegen, dass er sich als Kika-Chef auch noch ums Rechnungswesen habe kümmern sollen: "Ich war für die wirtschaftlichen Gesamtdaten zuständig und nicht für einzelne Rechnungen". Ähnlich ließ sich auch der amtierende Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp ein, der offen bekannte, die Zahlungsabläufe im Kika "nicht hinterfragt" zu haben.

Ganz anders der ZDF-Revisor Alfons Birke, der im Prozess hart die Versäumnisse kritisierte. Seiner Ansicht zufolge hätte man spätestens im MDR-Rechnungswesen aufmerksam werden müssen, als immer wieder Belege eingereicht wurden, "die nicht ordnungsgemäß abgezeichnet waren". Nicht nachvollziehbar für Birke war denn auch, dass Beckmann, der von 2002 bis 2008 Kika-Chef gewesen war, nicht gehandelt habe, als ihm von der möglichen Spielsucht des einstigen Herstellungsleiters Marco K. berichtet worden war. "Da hätte man eins und eins zusammenzählen und dem intensivst nachgehen müssen", meinte Birke. Immerhin sei Beckmann zweimal darüber informiert worden, dass Marco K. im Erfurter Kasino häufig große Mengen Geld verlor - "das sind Warnsignale erster Güte", fand Birke.

Tatsächlich hatte ein Kika-Mitarbeiter, der mit einer Kasino-Kassiererin befreundet war, im Prozess berichtet, er habe Beckmann zweimal sowie den Kika-Redaktionsleiter sogar mehrfach auf die großen Spielverluste von Marco K. hingewiesen. Die Geldverluste waren offenbar so enorm, dass selbst der thüringische Finanzbeamte aufmerksam geworden war, der die Spielgeräte im Kasino zu kontrollieren hatte: "Ich wusste immer, an welchem Apparat K. gespielt hatte", berichtete der Mann - "es war stets das Gerät mit den größten Verlusten".

Den ZDF-Revisionsmitarbeiter Birke beschäftigte der Fall so sehr, dass er eigens noch einmal zur Urteilsverkündung nach Erfurt reiste. Auch in der Chef-Etage des Zweitens Fernsehens wird die Tonlage immer kritischer: Dass Beckmann bei seinem Zeugenauftritt im Prozess "nicht einen Hauch von Selbstkritik" gezeigt habe, sei schon bemerkenswert, heißt es in Mainz. Was geschehen sei beim Kika, müsse nun gründlich aufgearbeitet werden, denn schließlich "ist das immer auch eine Frage der Amtsführung", sagt ein ZDF-Vertreter. Beckmann will zu derlei Kritik nichts sagen, er verweist auf das, was er im Zeugenstand erklärt habe: Immerhin sei in zehn Jahren "niemals eine beanstandete Rechnung auf meinen Tisch gekommen".

Kein Zweifel: Die Veruntreuungen beim Kika entwickeln sich langsam zum Super-Gau für den MDR. Das ist auch dem scheidenden Intendanten Reiter klar, dessen Lebenswerk mehr und mehr von dem Skandal überschattet wird. Als Reiter kürzlich den Rundfunkrat über die neuen Ermittlungen informierte, kam er auch auf die letzte Sitzung der ARD-Intendanten zu sprechen, bei welcher der Betrugsfall im Kika ein Thema gewesen sei. "Die Stimmung dort", so Reiter, "war durchaus kritisch". Die ARD-Intendanten wollen durchsetzen, dass der Haushalt des Kika jährlich um eine Million reduziert wird - denn immerhin sei ja zuvor auch nicht aufgefallen, dass jeweils rund 800.000 Euro auf betrügerische Weise abgezweigt worden waren. Reiter meint, dem Argument sei "schwer etwas zu entgegnen".

Unterdessen lässt der MDR derzeit diskret prüfen, inwieweit der einstige Herstellungsleiter tatsächlich alle Gelder verspielt hat, wie er behauptet. So notierte ein Abgesandter des vom MDR beauftragten einstigen LKA-Mannes Ingmar Weitemeier aufmerksam jede Zeugenaussage im Prozess. Seine Einschätzung: "Es könnte durchaus noch Geld zu finden sein."

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