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US-Serie: 24:Verschärfte Verhörmethoden

Sutherland hat sicher recht, wenn er meint, dass die Serie noch über Jahre hinaus das Genre des Thrillers beeinflussen wird - zu sehen war dies zuletzt in einem Bremer Tatort der ARD, der das Stilmittel der Splitscreens erstmals in die deutsche Krimiszene importierte.

Das Experiment 24, das merkten Macher und Zuschauer schnell, war dann aber doch keine künstlerische Befreiung, sondern stellte eher eine Beschränkung dar. "Wir waren immer auf ein Setting eingeschränkt", sagt Sutherland. In den vergangenen Jahren versuchte die Show, Abwechslung ins Konzept zu bringen, in dem Jack Bauer von Los Angeles an die Ostküste beordert wurde. Erst schickte man ihn in den politisch-bürokratischen Sumpf von Washington (7. Staffel), dann nach New York (8. Staffel).

Im Dunstkreis der UN

Dass Jack Bauer - der oft so genannte verschärfte Verhörmethoden einsetzte, um an Informationen zu kommen - in den späten Staffeln vor einem Komitee des Senats erscheinen musste oder im Dunstkreis der UN ermittelte, mag ein Zugeständnis an ein sich veränderndes politisches Binnenklima gewesen sein. Trotz der wildesten Schnitt-Sequenzen war 24 allerdings so einer starren Struktur unterworfen, das die Serie zuweilen an einen Comic erinnerte. Jack Bauer ist ein eindimensionaler Held wie Superman einer war, seine speziellen Kräfte sind Leidensfähigkeit und bedingungslose Loyalität.

Sutherland und Chefautor Gordon planen nun einen Kino-Film, und manchmal ist auch die Rede von Spin-Offs der Serie, von Ablegern. "Wenn wir 24 Stunden in zwei Stunden verdichte können", meint Sutherland, "dann haben wir ganz neue Freiheiten, dann können wir die Handlung in Südosteuropa beginnen lassen und in London enden."

Sutherland, 43, klingt ehrlich begeistert über den Wechsel im Format, läuft aber auch Gefahr, das Alleinstellungsmerkmal des fesselnden Serien-Helden verlieren und sich an das globale Actionszenen-Hopping von James Bond und Jason Bourne anzugleichen. "Das Ende der Serie ist kein Abschied von Jack Bauer", sagt Sutherland. Der Agent ist die Rolle seines Lebens, eine amerikanisches Leitbild wie Lederstrumpf, John Rambo oder Dirty Harry. Und ein Agent steht immer wieder auf.

Die achte Staffel ist noch bis 7. Juni auf Sky zu sehen.