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Kachelmann-Prozess:Hoffnung auf ein Hoch

Jörg Kachelmann ist freigesprochen - doch seine Karriere hat trotzdem gelitten. Während des Prozesses zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Nun kündigt seine Meteomedia AG "spannende neue Produkte" an und schließt auch eine Rückkehr Kachelmanns ins Fernsehen nicht aus.

Das Mannheimer Landgericht hat an diesem Dienstag den Wettermoderator Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Doch der Imageschaden des einst so beliebten Moderators ist damit wohl nicht wettzumachen. Seine Karriere hat vermutlich nachhaltig unter der Berichterstattung zum Vergewaltigungsprozess gelitten.

Jörg Kachelmann

Was wird nun aus Jörg Kachelmann? Seine Wetterfirma Meteomedia AG spricht von "neuen spannenden Produkten".

(Foto: DPA-SZ)

Öffentliche Auftritte waren seit seiner vorübergehenden Verhaftung im März vorigen Jahres rar. In der ARD tauchte er seitdem nicht mehr als Wettermoderator auf dem Bildschirm auf. So wurde das Wetter im Ersten fortan nurmehr von seinen Kollegen Claudia Kleinert, Sven Plöger und Alexander Lehmann verkündet. Dabei kamen die Hoch- und Tiefansagen durchaus noch aus Kachelmanns Wetterimperium: Seit 1994 beliefert seine in der Schweiz ansässige Meteomedia AG den öffentlich-rechtlichen Senderverbund mit Berichten zur Wetterlage.

Bei Meteomedia blieb Kachelmann auch während des Prozesses Verwaltungsratspräsident. Hatte man dort, so hörte man, bisweilen angeblich mit Kachelmanns Position im Firmenkonglomerat gehadert, verkündet das Unternehmen nun frohe Botschaften: "Meteomedia freut sich über den längst überfälligen Freispruch ihres Firmengründers Jörg Kachelmann", heißt es aus dem Unternehmen. "Jörg Kachelmann wird ab sofort seine Kraft wieder ganz der Meteomedia Gruppe widmen können."

Doch was genau bedeutet dies für seine Auftritte als Moderator?

Dass Kachelmann sich wohl nicht ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen möchte, kündigte sich schon Anfang des Jahres an. Seit Januar moderiert er - ungeachtet der Mannheimer Ermittlungen - beim Schweizer Sender Radio Basel, seit Februar verkündet er zudem das Wochenendwetter beim Aschaffenburger Sender Radio Primavera. Sein Engagement bei der Schweizer Konkurrenz Radio Sunshine hingegen währte nur kurz: Es hagelte Beschwerden von Hörern und so entschloss man sich, Kachelmann wieder aus dem Programm zu nehmen.

Meteomedia zeigte sich unmittelbar nach der Urteilsverkündung indes voller Tatendrang. "In Kürze wird Meteomedia spannende neue Produkte vorstellen, welche in den letzten Monaten erarbeitet wurden", hieß es. Selbst weitere Moderatorenengagements von Kachelmann deutete die Firma an. "Zusätzliche öffentliche Auftritte sind in Zukunft nicht ausgeschlossen."

Ob das allerdings bedeutet, dass Kachelmann wieder das ARD-Wetter moderieren wird, ist nicht entschieden. Bei der ARD möchte man sich zu einer möglichen Rückkehr Kachelmanns noch nicht äußern. Man wolle, so Pressesprecherin Silvia Maric, warten, bis das Urteil rechtskräftig ist: "Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und ein Urteil Rechtskraft erlangt hat, sieht die ARD in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf." Sobald jedoch in einer Woche die Revisionsfrist für die Prozessparteien abgelaufen ist, will man in der ARD dazu eine Erklärung abgeben.

Kachelmann selbst hatte im vergangenen November eine Rückkehr auf den Bildschirm ausgeschlossen - unabhängig vom Gerichtsurteil: "Ich werde nach all dem keine Wettersendungen mehr moderieren können", sagte Kachelmann damals der Bild-Zeitung. "Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wär's mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig."

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