Kachelmann gegen Medien "Allen auf den Sack gehen, die mir das Leben schwer gemacht haben"

Jörg Kachelmann beim Prozessauftakt gegen die Bild im Landgericht Köln im Februar. Das Urteil wird Ende September erwartet.

(Foto: dpa)
  • Meteorologe Jörg Kachelmann erklärt im Spiegel, er werde weiter gegen die Bild prozessieren - nicht aus Hass oder Wut, sondern weil er nicht zur Tagesordnung übergehen wolle.
  • Kachelmann stand 2010 vor Gericht, weil ihn eine Ex-Geliebte der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Er wurde freigesprochen.

Zwischen Tweets über das Wetter schimpft der Meteorologe Jörg Kachelmann auf Twitter auch immer wieder auf Medien, vor allem auf die Bild. Gegen das Blatt geht er gerade vor Gericht vor und verklagt es auf 2,25 Millionen Euro Schadenersatz. Er hadere aber nicht mit dem Image, das ihm seine Einlassungen auf Twitter einbringen, sagte er dem Spiegel: "Ich weiß, was für ein Bild viele von mir haben. Die denken: Der Kerl sitzt mit hochrotem Gesicht vor seinem Computer und hat sein Beißholz zwischen den Zähnen." Da sei aber kein Hass, auch keine Wut. "Ich weigere mich einfach nur, zur Tagesordnung überzugehen."

Das Gerichtsurteil gegen Bild wird für den 30. September erwartet, mit den Magazinen Bunte und Focus hat er sich außergerichtlich geeinigt. Im November steht ein weiterer Gerichtstermin gegen seine Ex-Geliebte an, die ihn 2010 der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Er musste 132 Tage in Untersuchungshaft verbringen, wurde am Ende aber freigesprochen. "In der U-Haft habe ich meinen Wärtern und Mithäftlingen geschworen, dass ich später allen auf den Sack gehen werde, die mir das Leben schwer gemacht haben", sagte der Schweizer dem Spiegel. "Und genau das tue ich jetzt. Wenn die Leute mich für einen verbohrten Heini halten, nehme ich das in Kauf."

"Wir konnten uns nicht einmal Essen kaufen"

Bei Kachelmanns Klage gegen Bild und Axel Springer geht es um Texte, die nach seiner Verhaftung im Jahr 2010 erschienen waren. Die geforderten 2,25 Millionen wären eine Rekordsumme. Dem Spiegel erklärte er: "Ich war hoch verschuldet. In den dunkelsten Momenten konnten wir uns nicht einmal Essen kaufen. Ich habe darüber nie öffentlich gesprochen, um der Falschbeschuldigerin nicht noch mehr Genugtuung darüber zu geben, was sie an Vernichtungswerk erreicht hat."

Der Strafprozess war teuer, der Verdienstausfall groß. Die Entschädigung für seine Zeit in U-Haft betrug wie gesetzlich vorgeschrieben 25 Euro für jeden der 132 Haft-Tage - insgesamt also 3300 Euro. Kachelmann sagte dem Spiegel, er habe sich von Grundstücken, Häusern und Wohnungen trennen müssen, auch die Anteile an seiner Firma Meteomedia hat er verkauft. Seit dem Frühjahr betreibt er das Wetterportal kachelmannwetter.com.

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