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Axel Springer:"Bild"-Chef Reichelt befristet freigestellt

Spobis 2020, Düsseldorf, 30.01.2020 Der Vorsitzende der Chefredaktion der Bild-Zeitung Julian Reichelt während der Spobi

Julian Reichelt ist seit 2002 beim Konzern Axel Springer in unterschiedlichen Funktionen tätig. (Archivbild)

(Foto: Jörg Schüler via www.imago-images.de/imago images/Jörg Schüler)

Gegen den Chefredakteur läuft im Konzern ein Compliance-Verfahren. Zum genauen Gegenstand der Vorwürfe wollte der Verlag sich nicht äußern.

Der Vorsitzende der Bild-Chefredaktion, Julian Reichelt, wird von seinen Funktionen freigestellt. Die Freistellung erfolge auf seine eigene Bitte und sei bereits erfolgt, so der Axel-Springer-Verlag in einer Mitteilung. Es liefen derzeit Untersuchungen wegen möglicher Compliance-Verstöße Reichels. Der Bild-Chef habe um die Freistellung gebeten, "um eine ungestörte Aufklärung sicherzustellen und die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten".

Die Führung der Redaktion übernimmt, laut der Mitteilung des Verlags, für diesen Zeitraum Alexandra Würzbach, Chefredakteurin Bild am Sonntag und Mitglied der Chefredaktion der Bild-Gruppe.

Der Verlag wollte sich nicht zum Gegenstand der Vorwürfe gegen Reichelt äußern. Es seien externe Experten hinzugezogen worden, "um eine sowohl zügige als auch sorgfältige unabhängige Aufklärung sicherzustellen". Eine Compliance-Untersuchung in einer Firma zielt darauf ab zu prüfen, ob das Verhalten regelkonform war und die Richtlinien einer Firma eingehalten worden sind.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel hatte zuvor berichtet, nachdem Moderator Jan Böhmermann bereits in der am 5. März ausgestrahlten Sendung ZDF Magazin Royale Anspielungen auf ein solches Verfahren gegen Reichelt gemacht hatte. Der Spiegel berief sich am Montag auf Informationen, wonach es Vorwürfe von mehreren Beschäftigten gegen den 40 Jahre alten Reichelt gegeben haben soll. Rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen sollen bei Axel Springer Vorfälle aus den vergangenen Jahren angezeigt haben. Das Magazin schrieb von Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen.

In dem Intranet-Eintrag des Verlages, der der Deutschen Presse-Agentur wie auch anderen Medien vorlag, hieß es: "Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Das bedeutet: Es liegt bislang kein Ergebnis vor, weder in die eine noch in die andere Richtung. Julian Reichelt bestreitet die Vorwürfe."

Reichelt ist seit 2002 und damit seit fast 20 Jahren beim Konzern Axel Springer in unterschiedlichen Funktionen tätig. Im Februar 2017 wurde er neben seinem Posten als Chefredakteur Bild Digital zusätzlich Vorsitzender der Bild-Chefredaktion und trägt die übergeordnete redaktionelle Verantwortung der Bild-Marke. 2018 übernahm er dann zudem den Posten des Chefredakteurs Bild Print.

© SZ/dpa/hij/jsa
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